Schmalenbach, Hanna-Maria. Frausein zur Ehre Gottes. In jeder Kultur anders? Cuxhaven: Neufeld Verlag 2021, 2. Aufl. 261 S. Paperback: 16,90 €. ISBN: 978-3-86256-168-1

Die Autorin (Dr. med.) lebte mit ihrer Familie 14 Jahre als Missionsärztin und Pioniermissionarin in einem indigenen Volk. Aus ihrer missiologischen Masterarbeit an der Akademie für Weltmission in Korntal wurde ein Buch. Denn sie stellte fest, dass die Fragen, die sich in der Arbeit im Volk der Tutunakú in Mexiko stellten, auch viele Christen in Deutschland beschäftigten. Eine zweite Auflage 14 Jahre später wurde nötig, weil sich die Fragen nach Stellung und Dienst der Frau in Ehe und Gemeinde aus Sicht der Autorin immer noch nicht überall erledigt hatten.

Die Stellung des Bibelbundes in seiner Zeitschrift „Bibel und Gemeinde“ sowie in seinem Buch „Die Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel“ wird schon in der Einleitung als das eine Extrem markiert. Es sei „eine konservativ bibelgläubige Fraktion der Kirche“ (S. 18), die eine Frauenordination zum Beispiel in „Bibel und Gemeinde“ (3/2001) theologisch begründet heftig ablehnt. Trotzdem versucht Schmalenbach in ihrer umfangreichen Arbeit (allein 18 Seiten Bibliographie), die Problematik umfassend darzustellen und dabei die verschiedenen Standpunkte zu thematisieren.

Kapitel 1 beschreibt das Spannungsfeld der Diskussion. Die Autorin konstatiert aber, dass in diesem Ringen unter den konservativen Forschern Einigkeit in ihrer Hochachtung vor der Heilige Schrift“ besteht (S. 40). In Kapitel 2 beschreibt sie „Frausein und Kultur“ und in Kapitel 3 entwickelt sie eine Gesamtschau der biblischen Aussagen zu einem „Frausein zur Ehre Gottes“. Kapitel 4 beschreibt Frau Schmalenbach „Frauen in der Geschichte der Kirche“ und Kapitel 5 die Praxis mit ihrer eigenen Standortbestimmung. Hier versucht sie, ihr aus Bibel und Kultur gewonnenes Frauenbild für eine Kultur, in der man Gast ist, zu kontextualisieren, was auch ihre Erfahrung als Missionarin bestätigt.

Die Autorin ist überzeugt, dass der beste Zugang zum Thema ist, wenn man „dem chronologischen Ablauf der Heilsgeschichte folgt“ und die einzelnen Aussagen in ihrem „jeweiligen geschichtlichen und sozio-kulturellen Kontext“ betrachtet (S.67). Damit schließt sie für ihre Auslegung von Gen 1-3 jeden Verweis auf die Schöpfungsaussagen des Apostels Paulus für Frauen (1Kor 11 und 1Tim 2) ausdrücklich aus (S. 68f.). Ebenso wenig lässt sie eine Folgerung für einen „natürlichen Autoritätsvorsprung“ des Mannes aus der Schöpfung selbst zu, denn dieser könne höchstens aus den biologischen Unterschieden zwischen beiden abgeleitet werden. (S. 77). Sie will sich rein auf die Texte beziehen. In dem Zusammenhang fehlt allerdings eine Erklärung zum Verlangen der Frau, ihren Mann zu besitzen (Gen 3,16 vgl. Gen 4,7!), die auch eine Folge des Sündenfalls ist. Das wird nirgends im Buch thematisiert. Auch eine aus der Schöpfung begründete Trennung der Aufgabengebiete im privaten Innenbereich für die Frau und im Außenbereich für den Mann lehnt die Autorin ab, obwohl das auch in allen(!) Kulturen der Fall ist und zusätzlich in Gen 3,16-19 thematisiert wird (S.72f.).

Damit bereitet sie den Boden für ihre Deutung der neutestamentlichen Aussagen aus Zeitgeschichte und Kultur. Das erklärt sie selbst im Nachwort ihres umfangreichen Werkes zu dieser schwierigen Thematik.

„Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Lagern bleibt die Frage, ob es eine göttliche Schöpfungsordnung gibt, die eine Vorrangstellung des Mannes beinhaltet und in Ehe und Gemeinde fordert? Oder ob die Asymmetrie der Geschlechter eine Sündenfall-Ordnung ist, die auf dem Boden der Erlösung in Christus überwunden werden darf und sollte. An dieser Frage entscheidet sich letztlich, welche Freiheiten beziehungsweise Grenzen, der Stellung und dem Dienst der Frau in der Gemeinde Jesu Christi zugeschrieben werden.“ (S. 239 f.)