Schauen wir lieber in die Bibel und untersuchen, wie alles begann. Zunächst schuf Gott seine fantastisch schöne Erde und dann auch einen herrlichen Garten darauf. Dort hinein brachte er den von ihm geschaffenen Menschen. Dann schuf er aus ihm seine weibliche Ergänzung. Und diesem ersten Menschenpaar bot er alles, was sie zu ihrem Glück brauchten. Sie waren gut versorgt, hatten sinnvolle Aufgaben und erfreuten sich aneinander. So besaßen sie all das, was die Bibel mit dem Wort Frieden (Schalom) meint. Sie hatten eine ungestörte Gemeinschaft mit Gott, lebten im Überfluss und hatten keinerlei Angst.

Aber das Verhängnis begann gerade in diesem Garten. Eine bis dato unbekannte Macht drängte sich zwischen die Menschen und Gott und stellte alles in Frage, was sie von ihm wussten. Gott hatte ihnen jede erdenkliche Freiheit gewährt. Es gab nur ein einziges kleines Gebot. Aber beide Menschen entschieden sich, der bösen Macht zu folgen und genau dieses Gebot zu übertreten.

Damit begann der Krieg, der bis heute alles zerstört, was Frieden bedeutet. Und das erste, was beide Menschen spürten, war ihre Angst vor Gott. Deshalb versteckten sie sich vor ihm. Als Gott dann das Paar zu sich rief und zur Rede stellte, schob der Mann die Schuld für seinen Ungehorsam auf die Frau, „die du mir zur Seite gestellt hast“. Indirekt beschuldigte er damit auch Gott. Und die Frau schob die Schuld auf die verführerische Macht in Gestalt der Schlange.

Es fällt auf, dass Gott in seinem darauffolgenden Fluchwort über die Schlange einen der Nachkommen Evas ankündigt, der dem Verursacher von allem Bösen den Kopf zertreten wird. Damit garantierte er nicht nur das vorläufige Weiterleben der Menschen, sondern auch, dass einmal einer kommt, der den Frieden zurückbringt.

Aber zuerst mussten sich die Menschen den Folgen ihrer gemeinsamen Tat gegen Gottes Gebot stellen. Beiden wurde – abgesehen vom angekündigten Tod (1Mo 2,17), der nun unweigerlich auf sie zukommen wird (1Mo 3,19) – Mühsal auferlegt: der Frau im Zusammenhang mit ihrer Schwangerschaft und dem Mann bei seinem lebenslangen Broterwerb.

KriegUnd noch etwas würde sich ändern, nämlich das Verhältnis zwischen beiden: Mit der großen Freude Adams beim Empfang seiner Frau aus Gottes Hand (1Mo 2,23) war es ohnehin schon vorbei. Der Frau kündigte Gott nun an, dass sie das Verlangen spüren würde, ihren Mann zu besitzen,[1] und der würde über sie herrschen (1Mo 3,16). Das war für beide nicht positiv, sondern der Anfang von dem, was man Ehekrieg nennen könnte.  Was auf der einen Seite wie Emanzipation aussieht, wird auf der anderen mit Herrschaft beantwortet werden. (Aber bitte Vorsicht, liebe Männer! Ihr könnte daraus nicht ableiten, dass Gott euch das Herrschen über eure Frauen erlaubt hätte. Er hatte nur der Eva mitgeteilt, dass dies noch zu ihrer Mühsal dazukommen wird.)

Aber das war immer noch nicht alles, was die ersten Menschen sich durch die Übertretung des Gebots verscherzt hatten. Durch das Bewusstsein, wieder zu Staub zu werden, wird sich eine gefährliche Begierde in ihnen entwickeln. Gott wusste: Sie werden jetzt nach dem ewigen Leben greifen, was in ihrem sündigen Zustand eine furchtbare Qual wird. Beide Menschen wussten inzwischen ja nicht nur, was gut und böse ist, sondern auch, dass sie sich für das Falsche entschieden hatten. Deshalb griff Gott noch einmal ein, weil er ihnen Hoffnung und Zukunft geben wollte. Zunächst bekleidete er sie, damit sie ohne Scham miteinander umgehen konnten. Doch dann musste er sie aus dem Garten Eden hinausschicken. Ohne Gemeinschaft mit ihm darf es kein ewiges Leben geben.

Das bisherige Fazit:

  • Begonnen hatte es mit einem tiefen Misstrauen gegenüber Gott, das der Böse erfolgreich in die Menschen eingesät hatte.
  • Es folgte der bewusste Ungehorsam der Menschen und die Übertretung des einzigen göttlichen Gebots.
  • Mit Glück und Überfluss und der Freiheit von Angst, den Kennzeichen des Friedens, war es nun vorbei.
  • Ebenso war die Gemeinschaft mit Gott, der Quelle alles Friedens, gestört.
  • Damit wurde auch der eheliche Frieden gestört und Mühsal bestimmte fortan das Leben der Menschen.

Nun kamen die ersten Kinder zur Welt.  Aber die Hoffnung der Eltern wurde bitter enttäuscht, denn auch zwischen ihren Kindern gab es keinen Frieden. Ihr ältester Sohn Kain nahm seinem Bruder gewaltsam das Leben. Er schlug ihn aus Neid und Eifersucht tot, obwohl ihn Gott zuvor noch deutlich gewarnt hatte.

In diesem Zusammenhang kommt in der Bibel das erste Mal der Begriff Sünde vor. Ihre Wirkungsmacht war von Anfang an spürbar: im Misstrauen der Menschen gegenüber Gott, in ihrem Ungehorsam, in der bewussten Übertretung des Gebots. Deshalb sprechen wir mit Recht vom Sündenfall. Gott beschreibt die Sünde als lauernde Macht vor der Tür. Doch Kain ließ sich von Gott nichts sagen, sondern ließ seinem Zorn freien Lauf bis hin zum Brudermord.

Unfassbar, dass Gott selbst in seiner Strafe noch gnädig war. Er sprach mit Kain und gab dem Mörder noch eine Zukunft. Aber mit der Nähe zu Gott war es vorbei. Schon in der vierten Generation nach Kain rühmte sich Lamech gegenüber seinen beiden(!) Frauen der Vernichtung von Menschenleben und maßloser Vergeltung für die geringste Verletzung.

Auf der anderen Seite gab es dann auch Menschen, die Gottes Nähe suchten und damit wahrscheinlich einen relativen Frieden in ihrer Umgebung bewahren konnten. Es waren vornehmlich die Nachkommen des Adamssohnes Set, die den Namen Jahwes anriefen. Das spricht für eine gewisse Beziehung zu ihm. Vier Jahrhunderte später lebte Henoch, der durch seinen Glauben so mit Gott verbunden war wie Abel, der erste Märtyrer für seinen Glauben (Hebr 11,4-6). Henochs Leben im Glauben gefiel Gott ausdrücklich, sodass er ihm nach 365 Jahren das weitere Leben auf der mit Sünde und Friedlosigkeit beladenen Erde ersparte und ihn direkt zu sich nahm.

Interessanterweise entwickelten gerade die Menschen, die ohne Gott leben wollten, das, was wir heute Kultur nennen: eine Strategie zur Daseinsbewältigung. Gewiss wurde das bald von allen Menschen übernommen. Dazu gehörten künstlerische und technische Entwicklungen (1Mo 4,21-22). Man konnte schon Kupfer und Eisen bearbeiten, aber auch Musikinstrumente erfinden und spielen. So empfand man in der eigenen Umgebung einen relativen Frieden, bis der wieder durch irgendeine Form von Sünde zerbrochen würde. Etwa 1500 Jahre nach Adam war die Bosheit aller Menschen so groß geworden, dass Gott nur noch einen einzigen Menschen fand, der ihm wirklich gehorchte: Noah (1Mo 6,9). Der lebte mit Gott wie Henoch und überlebte deshalb als einziger Mensch mit seiner Familie die Sintflut.

Ja, es gab einzelne Menschen, mit denen Gott etwas Neues anfangen konnte, weil sie ihm gehorchten. Nach Noah war es Abraham, der Vater des Glaubens, dann Mose, der das Volk Israel in die Freiheit führte. Aber völligen Frieden gab es nie, denn die Sünde herrschte überall, auch im Volk Israel. Immerhin hatte Gott diesem Volk schon eine vorläufige Sühne für Sünde (durch ein Tieropfer) und damit Vergebung ermöglicht.

Wie Frieden eigentlich aussehen könnte, beschreibt Gott seinem Volk durch prophetische Worte wie diese:

Jes 66,12-14: Denn so spricht Jahwe: / „Seht, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr, / den Reichtum der Völker wie einen überfließenden Bach. / Trinkt euch an dieser Fülle satt! / Auf den Armen werdet ihr getragen, und auf den Knien wird man euch wiegen. / Ich will euch trösten, wie nur eine Mutter trösten kann. / Und an Jerusalem findet ihr Trost. / Wenn ihr das erlebt, werdet ihr voll Freude sein, / wie frisches Gras sprosst euer Lebensmut.“

Jer 33,6-7.11: „Seht, ich lasse eine Haut über ihre Wunde wachsen und bringe ihr Heilung. Ich stelle sie wieder her und bringe ihr echten, dauerhaften Frieden. Ich wende das Schicksal Judas und Israels und baue sie auf wie am Anfang … Dorthin kehren Jubel und Freude zurück. Man wird den Ruf von Bräutigam und Braut wieder hören und das Lob von denen, die ins Haus Jahwes einziehen und sagen: ‘Preist Jahwe, den Allmächtigen, denn Jahwe ist gütig und seine Gnade besteht ewig!’ Denn ich werde das Schicksal des Landes wenden, und es wird sein wie am Anfang“, spricht Jahwe.

Zweites Fazit:

  • Sünde hat immer das Potential, jede Art von Frieden zu zerstören: den Frieden mit Gott, den Frieden im Menschen, den Frieden zwischen Menschen.
  • Durch Sühne und Vergebung konnte im Volk Israel Frieden für gewisse Zeit wiederhergestellt werden.
  • Zeitweilige Abwesenheit von Krieg ermöglicht es einer großen Gruppe von Menschen unter obrigkeitlicher Ordnung in einem relativen Frieden und Wohlstand zu leben.

Als Jesus Christus auf die Erde kam, hat er Frieden gebracht – nicht allen Menschen, wie Lukas 2,14 oft missverstanden wird. Aber seinen Jüngern versprach er einen besonderen Frieden:

Jo 14,27: Was ich euch hinterlasse, ist mein Frieden. Ich gebe euch einen Frieden, wie die Welt ihn nicht geben kann.

Der ursprüngliche Frieden mit Gott ist für die Gläubigen also zurückgekehrt. Trotzdem leben auch sie noch in einer Welt des Unfriedens. Manche von ihnen müssen momentan zwar keinen Krieg erleiden, aber irgendwo in der Welt ist immer Krieg. So wurden allein im vergangenen Jahr (2020) 29 Kriege und bewaffnete Konflikte in dieser Welt gezählt.[2] Andererseits leben Christen mitten unter Menschen, die keinen Frieden haben, nicht mit Gott und oft auch nicht mit sich selbst. Deshalb sagte der Herr schon in der Bergpredigt seinen Jüngern: „Wie glücklich sind die, von denen Frieden ausgeht!“ (Mt 5,9) Und Paulus fügt hinzu: „Soweit es irgend möglich ist und soweit es auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Frieden!“ (Röm 12,18)

Einen ewigen Frieden wird es auf dieser Erde also nicht geben, auch nicht im Grab. Denn wer gottlos gelebt hat und gottlos gestorben ist, wird keinen Frieden haben.

1Petr 4,18: Denn wenn schon die Gerechten kaum auf Rettung hoffen dürfen, wo werden sich dann die Gottlosen und Sünder wiederfinden?

Ewigen Frieden gibt es nur im Zusammenhang mit dem ewigen Leben. Und das wiederum gibt es nur in der Gemeinschaft mit Gott. Aber damit ist für wiedergeborene Christen der Zugang zum „Baum des Lebens“ wieder frei.

Offb 2,7: Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer den Kampf besteht, dem gebe ich vom Baum des Lebens zu essen, der im Paradies Gottes steht.

Offb 22,14: Wie glücklich werden dann alle sein, die ihre Kleider gewaschen haben. Die Tore der Stadt werden ihnen offenstehen, und sie haben das Recht, vom Baum des Lebens zu essen.

Zuerst veröffentlicht in :Perspektive 6/21.

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[1] Das hebräische Wort teschukah ist hier nicht positiv gemeint. Denn nur 15 Verse später (4,7) wird derselbe Begriff vom gefährlichen Verlangen der Sünde gebraucht, Kain zu beherrschen.  Erst 3000 Jahre später kommt der Begriff noch ein einziges Mal in der Bibel vor: im Hohen Lied und offenbar positiv (Hld 7,11).

[2] So nach der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung.

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