Kann man wählen zwischen Gut und Böse?

Bieger meint: Nein. Es stimme zwar, dass man sich entscheiden muss, aber nach seiner Definition des Bösen wählte man, wenn man sich für das Böse entscheidet, nicht ein anderes Leben, sondern weniger Leben. Das trifft natürlich erst einmal einen anderen Menschen. Aber von daher, meint Bieger, ergebe sich die Notwenigkeit, im Gegensatz zu dem Bösen das Gute zu tun.

In der Bibel bezeichnet das Böse eine innere gottfeindliche Haltung, die sich auf allen Gebieten des Lebens auswirkt. Das Wissen um Gut und Böse hat sich der Mensch gleich am Anfang seiner Geschichte durch seinen Ungehorsam gegen Gott erworben. Gott hatte ihn angewiesen: „Von allen Bäumen im Garten sollst du nach Belieben essen, nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt.“ (1Mo 2,16f. NeÜ) Als Gott die Menschen dann aus dem Paradies hinauswies sagte er: „Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden. Er erkennt Gut und Böse. Auf keinen Fall darf er jetzt auch noch vom Baum des Lebens essen, um ewig zu leben.“ (1Mo 3,22 NeÜ).

Der Böse in Gestalt der Schlange hatte Gott als den Bösen hingestellt, der den Menschen das Beste missgönne: „Gott weiß genau, dass euch die Augen aufgehen, wenn ihr davon esst. Ihr werdet wissen, was Gut und Böse ist, und werdet sein wie Gott.“ (1Mo 3,5 NeÜ)

Ja, die Menschen wussten dann, was Gut und Böse ist, aber sie wussten nicht, dass sie nicht die Kraft haben würden, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Ihr Wissen war zwar erweitert und ihr Gewissen geweckt worden, aber gleichzeitig war noch etwas viel Schlimmeres geschehen: Sie selbst waren in ihrem Herzen böse geworden. Es dauerte nicht lange, da sah Gott, „wie groß die Bosheit der Menschen auf der Erde war. Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse.“ (1.Mo 6,5 NeÜ) Selbst Paulus stellte als Apostel von Jesus Christus fest:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meiner Natur, nichts Gutes wohnt. Es fehlt mir nicht am Wollen, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun. Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber das tue, was ich gar nicht will, dann bin nicht mehr ich der Handelnde, sondern die Sünde, die in mir wohnt. (Röm 7,18-20 NeÜ)

Ja, wählen kann der sündige Mensch zwischen Gut und Böse, aber umsetzen kann man es nicht.

Das Geheimnis der Bosheit

Das Böse wird von uns als Macht erfahren, obwohl es keine abstrakte Macht ist. Nach Aussage der Bibel existiert es nur in dem bösen Wesen und den bösen Taten gottloser Menschen und Dämonen.

Manchmal jedoch scheint „die Macht des Bösen“ sogar stärker als das Gute zu sein. Viele Menschen haben deshalb früher schon gedacht, dass es zwei Mächte gibt: die eine, die das Gute betreibt und die andere, die es bekämpft. Einige gehen sogar so weit wie der Häretiker Marcion, der den Gott des Alten Testaments als den Bösen und den des Neuen Testaments als den Guten erklärte.

Wenn die Bibel aber nur einen Gott verkündigt, dann müsste Gott doch irgendwie auch der Urheber des Bösen sein – oder? Zumindest hat er eine Welt geschaffen, in der das Böse existieren kann. Das führt zu einem Dilemma: Entweder hat Gott auch das Böse gewollt oder er ist nicht mächtig genug, es zu verhindern. Beides wird von der Bibel aber eindeutig verneint.

Hat Gott das Böse vielleicht nur zugelassen? Aber wäre er dann nicht grausam, wenn er das Böse gestattet? Von Goethe soll der Satz stammen: „Wenn ich Gott wäre, so würden die Sünden und das Leid dieser Welt mir das Herz brechen.“ Zum Glück war Goethe nicht Gott und er war auch nicht gut. Der Gott, der sich in der Bibel offenbart, ist allmächtig, er ist gut und voller Liebe. Trotzdem bleibt die bohrende Frage: Woher kommt dann das Böse?

Gott schuf eine Welt der vollkommenen Harmonie, des Friedens und der Freiheit in der Einordnung unter seinen alleingültigen Willen. In dieser Ordnung war die Schöpfung nach Gottes eigenem Urteil sehr gut (1Mo 1,31). Gott hat das Böse in der Welt nicht gewollt und nicht geschaffen.[ 3 ]Rienecker/Maier/Schick/Wendel. Lexikon zur Bibel: SCM R.Brockhaus 2013.