Die Möglichkeit zur freien Entscheidung

Zur Harmonie in der Schöpfung gehörte es aber, dass der Mensch als oberstes und verantwortliches Wesen durch freiwilligen Gehorsam Gott in dieser Welt repräsentierte. Deshalb gab Gott ihm die Möglichkeit zur freien Entscheidung für das Gute. Deutlich wird das durch die Setzung eines Gebots (1Mo 2,17). Die Freiheit, das Gute zu wählen beinhaltet aber notwendigerweise auch die Freiheit, sich für das Böse zu entscheiden mit all seinen schrecklichen Folgen.

Wenn Gott die Menschen schuf, um sie zu lieben und Gemeinschaft mit ihnen zu haben, mussten sie das Vorrecht besitzen, sich dafür entscheiden zu können, ihn zu wiederzulieben. Solange es nicht die Möglichkeit gibt, Liebe abzulehnen, besteht auch nicht die Möglichkeit, Liebe zu erwidern.[ 4 ]Nach Gleason L. Archer. Schwer zu verstehen. Biblische Fragen und Antworten. Bielefeld: CLV 2005. S. 500

Warum machte Gott Adam und Eva nicht vollkommen, sodass sie der Versuchung hätten widerstehen können? Die Antwort auf diese Frage lautet: Ohne die Möglichkeit zum Bösen gäbe es nicht die Möglichkeit zum Guten.[ 5 ]Archer 2005.

Ein Analogieschluss

Damit ist aber immer noch nicht die Frage geklärt, warum Gott erlaubte, dass es ein Wesen wie den Satan gibt, der auch Teufel beziehungsweise die uralte Schlange oder der große Drache (Offb 12,9) genannt wird. Hier sind wir auf einen Analogieschluss angewiesen, denn die Bibel beantwortet diese Frage nicht, jedenfalls nicht direkt.

Die Bibel bezeugt einerseits die personale Wirklichkeit von Engeln, die Gott und Menschen dienen, aber auch von Satan und gefallenen Engeln (2Pt 2,4).

Der Prophet Jesaja beschreibt in einem Spottlied auf den König von Babel das Wesen eines extrem hochmütigen Menschen:

Ach wie bist du vom Himmel gefallen, funkelnder Morgenstern. / ... Du, du hattest in deinem Herzen gedacht: / 'Ich will zum Himmel hochsteigen! / Höher als die göttlichen Sterne stelle ich meinen Thron! … Über die Wolken will ich hinauf, / dem Allerhöchsten gleichgestellt sein!' (Jes 14,12-14 NeÜ)

Der Prophet Hesekiel schreibt es in einer Totenklage in Bezug auf den Fürsten von Tyrus:

Du warst gesalbt als ein schirmender Cherub, / und ich hatte dich dazu gemacht … Du bliebst vollkommen / vom Tag deiner Erschaffung an, / bis man Unrecht an dir fand ... / Da verstieß ich dich von Gottes Berg / und trieb dich ins Verderben, / du schirmender Cherub. (Hes 28,14-16 NeÜ)

In beiden Fällen gehen die Aussagen weit über einen irdischen König oder Fürsten hinaus, sodass viele Ausleger denken, dass hier indirekt vom Fall Satan gesprochen wird.

Das klärt aber immer noch nicht die Frage, warum Satan und sein ganzer Anhang von Gott abgefallen ist. Von der Entscheidungsfreiheit des geschaffenen Menschen schließen wir auf die Entscheidungsfreiheit der Engel, die ja ebenfalls geschaffene intelligente Wesen sind. Das führt uns zu dieser Aussage: Gott hat ihnen erlaubt, sich zu entscheiden, seine Liebe nicht zu erwidern. Gott hat sozusagen das Fehlen des Guten in seinen geschaffenen Wesen zugelassen. So fand das Böse, das vollkommene Fehlen des Guten, seinen Raum in Satan und seinem Anhang, die seitdem dafür sorgen, dass es verbreitet wird.

Warum Satan sich gegen die Liebe Gottes entschieden hat, das werden wir hier auf der Erde nie beantworten können.