VorwortLesen Sie die >>> Verse 17-26 aus dem 4. Kapitel im 1. Buch Mose!

 

Kain wollte offenbar in einer Stadt wohnen und das Umherirren einstellen. Er wollte den Fluch der Verbannung aufheben und seinem Geschlecht einen Ort der Einheit schaffen. Dass er die von ihm begonnene Stadt aber nach seinem Sohn Henoch nannte, bedeutet vielleicht, dass er doch weiterziehen musste. Der erste Sohn des Henoch wird Irad genannt, Stadtmensch.

Es könnte sein, dass nicht alle Nachkommen Kains gottlos waren, denn Irad nennt seinen ältesten Sohn Mehujael, „Gott macht mich leben“. Und dessen erster Sohn hieß Metuschael, „Mann Gottes“.

Mit Lamech allerdings hört das auf. Bei ihm tritt die Gottlosigkeit offen hervor. Er war ein überheblicher Mensch und ein Mörder, der sich seiner bösen Taten rühmte. Er begnügte sich nicht damit, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern kündigte eine maßlose Vergeltung für jede noch so geringe Verletzung an.

Lamech war auch der erste, der in Polygamie lebte, also mehrere Frauen hatte. Ursprünglich standen Mann und Frau sich gleichwertig gegenüber. Das fand seinen Ausdruck in der von Gott gewollten Monogamie. Aber jetzt war das exklusive Einswerden von einem Mann und einer Frau nicht mehr gegeben. Schon das erniedrigte Lamechs Frauen. Es ist auch bemerkenswert, dass die Namen seiner Frauen beide einen sinnlichen Beiklang hatten. Das war natürlich nicht Lamechs Schuld, aber es passt in die Kultur seiner Zeit.

Die Entstehung von Kultur

Als Natur bezeichnen wir alles, was Gott geschaffen hat und bis heute erhält. Kultur ist dagegen alles, was sündige Menschen gestalten, um sich das Leben zu erleichtern. Oder wie es Lothar Käser sagte: „Kulturen sind Strategien zur Daseinsbewältigung.“[ 1 ]Lothar Käser: Fremde Kulturen, Erlangen 1997

Den Ursprung von Kultur müssen wir aber nicht in dem Fluch suchen, der auf der Nachkommenschaft Kains ruhte, sondern in den geistigen Kräften und Möglichkeiten, die Gott dem Menschen mit seiner Erschaffung zur Dienstbarmachung der Natur gegeben hat.[ 2 ]Keil S. 73.

Trotzdem ist Kultur nicht neutral. Sie dient entweder der Ehre Gottes oder der Ehre von Menschen, die von Gott unabhängig sein wollen. Das beginnt schon mit der Gründung der Stadt Henoch und lässt sich gut bei den Nachkommen Lamechs beobachten.

Lamechs erstgeborener Sohn hieß Jabal. Der wurde der Begründer des nomadischen Hirtenlebens. Im Gegensatz zu Abel, der Kleinvieh in der Nähe der Eltern hütete, zog Jabal mit seinen Herden, die auch Großvieh wie Kamele und Esel umfassten,[ 3 ]Hier wird ein anderes hebräisches Wort gebraucht als bei der Herde Abels. durch die Lande. Dabei wohnte er in Zelten.

Lamechs zweiter Sohn hieß Jubal. Mit ihm beginnt die Kunst, Saiten und Blasinstrumente zu bauen und zu spielen. Das machte das Leben einfacher und reduzierte die Auswirkungen des Fluchs.

Lamechs dritter Sohn hieß Tubal-Kain. Er konnte schon Kupfer und Eisen schmelzen und bearbeiten. Das lässt auf die Herstellung von Bauwerkzeugen und landwirtschaftlichen Geräten, aber auch auf Waffen und Schmuck schließen. Er wurde so der Begründer aller Technik. Auch seine Schwester muss eine bemerkenswerte Frau gewesen sein, sonst wäre sie nicht extra erwähnt worden. Manche vermuten, dass sie Lieder komponierte und vortrug.[ 4 ]Bräumer S. 129.

Lamech selbst führte sich als Dichter auf, als er vor seinen Frauen mit seiner Grausamkeit prahlte. Es ist ein Lied der Herausforderung gegen Gott. Hebräische Poesie basiert vor allem auf dem gedanklichen Parallelismus. Die zweite Zeile nimmt in irgend einer Form auf die vorige Bezug:

Ada und Zilla, hört meine Rede!
Lamechs Frauen, lauscht meinem Spruch!

Ich habe den Mann erschlagen, der mich verwundet hat,
und den Jungen getötet, der mich berührte.

Wird Kain siebenfach gerächt,
dann Lamech siebenundsiebzigfach!

Wichtiger Wendepunkt

Mit Lamechs Kindern hat sich der Charakter des gottlosen Geschlechts der Kainiten vollständig entfaltet. Daher wendet sich der Bericht jetzt von ihnen ab, um noch in Kürze die Anfänge des gottesfürchtigen Geschlechts zu charakterisieren,[ 5 ]Keil S. 73 wie es in den beiden letzten Versen des Kapitels beschrieben ist.

Als Ersatz für Abel wird Set geboren. Und diese Linie wird nicht abgeschnitten, wie es bei Abel der Fall war, der keine Kinder hatte. Set wird ein Sohn geboren, Enosch, das heißt: hinfälliger Mensch oder Menschlein. Offenbar ist den Nachkommen Adams damals ihre Sterblichkeit bewusst geworden, obwohl sie noch viele hundert Jahre leben würden.

In Enoschs Lebenszeit begannen die Menschen den Namen Jahwes anzurufen[ 6 ]Oder: auszurufen. Später bezog sich dieser Ausdruck auf den regelmäßigen öffentlichen Gottesdienst (Fruchtenbaum).. Das war etwa zu der Zeit, als Irad und Mehujael von den Nachkommen Kains ihren Kindern Namen gaben, die auf Gott bezogen waren.

 

 

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