FriedenstaubeLesen Sie die Verse 1-14 aus dem 8. Kapitel im 1. Buch Mose!

Der Wendepunkt im Flutgeschehen ist nach 150 Tagen erreicht. Unser Text beginnt damit, dass Gott an die Bewohner der Arche dachte. Das heißt natürlich nicht, dass er sie bis dahin vergessen hatte. Der Ausdruck bedeutet im Alten Testament, dass Gott sich wieder zu erkennen gibt und sofort wirksam in die tobenden Elemente eingreift.

So wie in Kapitel 7 immer wieder vom Ansteigen des Wassers und dem Anwachsen der Flut die Rede war, wird jetzt wiederholt vom Absinken des Wassers gesprochen. Noch am selben Tag setzte die Arche irgendwo auf dem Gebirge Ararat auf. Aus Kapitel 7,20 geht hervor, dass das Wasser nur etwas mehr als sieben Meter über den damals höchsten Bergen stand. So groß war nämlich der Tiefgang der Arche im beladenen Zustand. Die Arche musste also nur einige Handbreit Wasser unter dem Kiel gehabt haben, um noch an dem Tag, als das Wasser zu sinken begann, auf einem der höheren Berge aufsetzen zu können. Es ist anzunehmen, dass die Berggipfel vor der Sintflut wesentlich niedriger waren als heute.

Das Wasser nahm recht langsam ab. Bis Noahs Familie andere etwas niedrigere Berggipfel erkennen konnten, vergingen immerhin 70 Tage. Und bis alle Menschen und Tiere die Arche nach Gottes Erlaubnis wieder verlassen durften, musste Noah noch fünf Monate warten.

40 Tage nachdem die Bergspitzen sichtbar wurden, ließ Noah einen Raben fliegen. Raben sind vornehmlich Aasfresser. Sie gelten als sehr intelligent, denen es auch in Zeiten des Mangels gelingt Nahrung zu finden.[1] Er konnte wahrscheinlich genügend Kadaver finden. Deshalb kehrte er nicht in die Arche zurück.

Eine Taube allerdings braucht offenes Gelände wo sie Nahrung suchen kann und es müssen Felshöhlen oder Hohlräume als Ruhe und Nistplätze für sie vorhanden sein. Deshalb kam die Taube, die dreimal im Abstand von sieben Tagen ausgeschickt wurde, zweimal wieder in die Arche zurück. Beim zweiten Mal brachte sie schon ein frisches, abgepflücktes Olivenblatt mit. Olivenbäume sind außerordentlich widerstandsfähig. Möglicherweise blieben einzelne Bäume in höheren Regionen unbehelligt oder ein abgebrochener Ableger hatte schon wieder getrieben. Noah begriff jedenfalls, dass der Pflanzenwuchs wieder begann. Beim dritten Mal kam sie nicht mehr zurück, denn sie hatte auf der veränderten Welt eine Bleibe gefunden. Noah aber musste mit allen Menschen und den anderen Tieren noch fast fünf Monate in der Arche bleiben, bis Gott es erlaubte, sie zu verlassen.

Die Friedenstaube

Die bis heute populäre Darstellung der Taube mit dem Olivenzweig als Symbol des Friedens geht eindeutig auf 1. Mose 8,11 zurück. Die öffentlich-politischen Darstellungen leiten das Symbol der Taube aber von verschiedenen Fruchtbarkeits- und Liebesgöttinnen ab und der kultischen Prostitution in diesem Zusammenhang. Die Taube sei ein Zeichen für Liebe und Weiblichkeit, ein „energetisches Friedenssymbol für weibliche Sexualität und Vereinigung der Gegensätze“.[2] Erst danach erwähnen sie die Taube auch als biblisches Symbol. Aber der Ursprung liegt offensichtlich in dem von der Bibel berichteten Geschehen am Ende der Flut. Religionen können erst nach der Sintflut entstanden sein, und zwar durch den Abfall der Menschen von Gott wie es Römer 1,19-23 anschaulich darstellt.

Im Jahr 1949 entwarf Pablo Picasso die Silhouette einer Taube mit Olivenzweig als Symbol für den Weltfriedenskongress. Seitdem wurde die Taube mit oder ohne Zweig zum Symbol für Friedensbewegungen. Auch der Fries über dem Eingang zum ehemaligen Gästehaus der Regierung der DDR zeigte vier Tauben mit Olivenzweig vor einer Weltkugel.

Fries Taube

Der zeitliche Verlauf der Sintflut

Nach 1. Mose 7-8 kann man sich den zeitlichen Verlauf der Sintflut ungefähr so vorstellen wie in der Tabelle angegeben. Gerechnet wurde nach Mondjahr-Monaten von 29 oder 30 Tagen und zwar vom 17.2. im 600. Lebensjahr Noahs bis zum 27.2. im 601. Jahr. Das sind 354 Tage (Mondjahr) + 11 Tage (inklusiv gezählt). Sie ergeben zusammen die Länge eines Sonnenjahrs von 365 Tagen. Die hervorgehobenen Zahlen und Daten werden in der Bibel direkt genannt, die anderen sind errechnet.

Noah-Datum

Ereignis

1.02. 600

Noahs 600. Geburtstag.

10.2. 600

Menschen und Tiere gehen in die Arche. 7 Tage warten.

17.2. 600

Die Flut beginnt, die Arche hebt ab.

 

40 Tage lang Wasserflut von oben und unten.

110 Tage ist die Erde von Wasser überflutet.


gesamt: 150 Tage

17.7. 600

Gott denkt an Noah, das Wasser wird ruhig und beginnt zu sinken. Die Arche setzt auf einem der höheren Berge auf. Sie hatte vielleicht nur wenige Zentimeter Wasser unter dem Kiel wegen 1Mo 7,20 (Tiefgang der Arche).

 

70 Tage bis zum nächsten Datum

1.10. 600

Andere Bergspitzen werden sichtbar

 

40 Tage später wird der Rabe hinausgelassen

7 Tage danach (wegen 1Mo 8,10): Eine Taube fliegt aus und kehrt zurück.

7 Tage später: Eine Taube kehrt mit Ölbaumblatt zurück.

7 Tage später: Eine Taube fliegt aus und kehrt nicht zurück.

27 Tage bis zum nächsten Datum

1.01. 601

Wasser abgetrocknet. Dach entfernt.

 

57 Tage bis zum Enddatum, an dem die Arche verlassen wird.

1.02. 601

Noahs 601. Geburtstag.

17.2. 601

Seit Beginn der Flut sind 354 Tage verflossen (Länge eines Mondjahrs).

27.2. 601

Die Erde ist wieder trocken und die Arche darf verlassen werden.

Der Berg Ararat

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, den Landeplatz der Arche auf dem Berg Ararat zu suchen. Dieser mit Schnee bedeckte Vulkankegel ist mit 5137 Metern über dem Meeresspiegel der höchsten Berg der heutigen Türkei. Die Türken nennen den Berg „Agri Dagh“, die Armenier „Masis“. Erst Europäer gaben der höchsten Bergspitze den Namen Ararat. Ansonsten weist nichts darauf hin, dass hier die Arche aufgesetzt hätte.

Die Bibel spricht ohnehin von Bergen im Plural, also einem Gebirge. In 1Kö 19,37 wird sogar ein Land Ararat erwähnt, in das die Söhne des assyrischen Königs Sanherib flohen, nachdem sie ihren Vater ermordet hatten. Flavius Josephus, der jüdische Historiker des 1. Jahrhunderts, gibt die biblische Überlieferung so weiter: „Als dann die Arche in Armenien auf dem Gipfel eines Berges stehengeblieben war.“ Später grenzt er das Gebiet noch genauer ein und nennt es Kordyäergebirge, also ein Gebirge des antiken Staates Gordyene. Tatsächlich gibt es in dieser Gegend eine tief in der Geschichte und in den verschiedenen Religionen verwurzelte Tradition, die den Berg Cudi als Landeplatz der Arche ansieht.[3] In verschiedenen Zeiten wurde das Gebiet um den Landeplatz der Arche von verschiedenen Herrschern regiert und trug auch deshalb verschiedene Namen, die ihrerseits ein größeres oder kleineres Areal bezeichneten.[4] Sprachlich gesehen sind die Begriffe Cudi, Kardo, Gordyene, Kordyäner und auch Kurdistan sehr eng miteinander verwandt.

Am Berg Cudi hat man immerhin mehrere assyrische Felsenreliefs mit Sanheribs Abbild und Inschriften gefunden, außerdem die Überreste eines Klosters, das im 4. Jahrhundert zu Ehren der Arche Noah gebaut wurde. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gedachten Moslems und Christen einmal im Jahr auf dem Plateau des Cudi gemeinsam der Sintflut.

Überreste der Arche?

Alle Expeditionen zum heutigen Ararat und die angeblichen Funde von Holz unter dem Eis sind also mit großer Vorsicht zu genießen. Trotzdem gibt es zwei antike Berichte von solchen Funden. So berichtet Josephus in seinem Geschichtswerk „Jüdische Altertümer“ dreimal von Überresten der Arche, die für jedermann nachweisbar zu seiner Zeit noch existiert haben sollen.[5] Und vom Assyrerkönig Sanherib wird in einer jüdischen Legende überliefert, dass er eine Holzplanke fand, die er dann als Götzenbild verehrte, weil sie Teil der Arche gewesen sei.[6] Wenn man eines Tages auf dem Cudi-Berg an der richtigen Stelle mit archäologischen Ausgrabungen beginnt, sind vielversprechende Funde möglich. Derzeit ist es aber aus militärischen Gründen nicht möglich, das Gebiet um den Cudi zu betreten.

 

[1] Schouten van der Velten S. 56.

[2]http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/die-friedenstaube.html#_ftnref1. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedenstaube.

[3] Timo Roller S. 94f. Weitere Einzelheiten und Belege zum Berg Cudi finden sich im 2014 erschienenen Buch des genannten Verfassers über das Rätsel der Arche Noah.

[4] Auch in manchen Septuaginta-Handschriften ist „Ararat“ mit „Armenien“ widergegeben. Die syrische Bibelübersetzung Peschitta nennt sogar ganz konkret „Kardu“.

[5] Roller S. 94f. Nachzulesen in Josephus „Jüdische Altertümer“ 1/3,5-6.

[6] Roller S. 111f. und S. 163. Das erinnert auch an die Verehrung der Bronzeschlange, die erst von König Hiskija unterbunden wurde (2. Könige 18,4).

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