BasisBibel. Die Komfortable. Altes und Neues Testament. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2021. 2959 S. Gebunden: 49,00 €. ISBN: 978-3-438-00900-5.

Die Basis-Bibel wurde im Lauf von 20 Jahren von einem großen Mitarbeiterkreis aus den biblischen Sprachen neu übersetzt. Man hat sie außerdem germanistisch und redaktionell bearbeitet und fachwissenschaftlich überprüft. Das Ergebnis versteht sich als Übersetzung zwischen einer wortgenauen und einer sinngenauen Wiedergabe des Grundtextes. Wichtige biblische Begriffe sollten beibehalten werden. Dafür hat sie viele Anmerkungen am Rand (in digitalen Ausgaben als Link) und versucht so, unbekannte Sachverhalte oder schwierige Begriffe zu erklären. Wenn diese sich wiederholen, erscheint die Erklärung erneut. Wichtig ist den Bearbeitern der leicht verständliche Aufbau der Sätze, die nicht mehr als 16 Wörter und höchstens einen Nebensatz enthalten. Außerdem sind die Sätze in Sinnheinheiten gegliedert, was das Lesen erleichtert. Die Basis-Bibel enthält den kompletten Bibeltext ohne Apokryphen.

Die Übersetzung und Gestaltung ist tatsächlich gelungen. Diese Bibel lädt zum Lesen ein. Viele sachliche Zwischenüberschriften erleichtern die Orientierung. Für Anfänger beim Bibellesen liegt ein Lesezeichen bei, bei dem auf Vorder- und Rückseite alle biblischen Bücher mit Seitenzahl angegeben sind und dazu einige Hinweise, wo man Erläuterungen und weitere Informationen findet. Eine wirklich gute Idee! Am Schluss finden sich zwei Zeittafeln (AT+NT) und ein Grundriss des herodianischen Tempels.

Bei der Zeittafel des Alten Testaments scheint es allerdings eine geschichtliche Zeit vor König Saul nicht zu geben. Die Zeit der Erzväter, der so wichtige Exodus aus Ägypten und die Eroberung Kanaans werden nicht erwähnt. Sind das für die kritischen Bearbeiter nur Legenden? Das ist offenbar Absicht, denn schon bei der Vorstellung schreiben die Autoren, dass die Bibel zwischen 800 v.Chr. und 200 n.Chr. entstanden sei (S. 7). Damit schließen diese Fachwissenschaftler schon einmal alle in der Bibel genannten Autoren von Mose bis David und Salomo bis Jesaja aus. Im Neuen Testament schließen sie einige der dort genannten Autoren zu Gunsten unbekannte Autoren aus. Mit der Leugnung der biblischen Autoren fällt aber auch die Einheit der biblischen Bücher. Bei allem aber drücken sich die Bearbeiter sehr vorsichtig aus, sodass der normale Bibelleser kaum etwas merkt. So seien die geschichtlichen Bücher „über weite Strecken als Mitteilungen Gottes an Mose gestaltet, der lange Zeit als Verfasser dieser Bücher galt“ (S. 13). Oder in Bezug auf Lukas: „Heute geht man nicht mehr davon aus, dass das Evangelium von diesem Lukas stammt“ (S. 2309). Auch die Gestalt des „Lieblingsjüngers“ Johannes als Augenzeuge wird abgelehnt (S. 2411).

Die meisten der geistlichen und geschichtlichen Randbemerkungen sind in Ordnung. Einige jedoch fallen ziemlich negativ auf: Wieso soll die Rakia (Luther: Feste) 1Mo 1,6 ein Dach sein, „eine Art Platte, die auf den Bergen am äußersten Rand der Erde aufliegt. Sie bildet den Boden des Himmels und gleichzeitig das Dach der Erde.“ Steht dem Bearbeiter ein heidnisches Weltbild vor Augen? Dass die Cherubim einen Löwenkörper besitzen (zu Gen 3,24) ist der Bibel fremd.

Zu 1. Könige 6,1: Die Erklärung für die 480 Jahre nach dem Auszug Israels aus Ägypten ist einfach Unsinn. Es soll eine Zahl sein, die Sinnbildlich für eine ideale Geschichtsperiode steht: „Sie ist das Ergebnis aus 12 mal 40.“ So etwas kann nur jemand schreiben, der biblische Zusammenhänge absichtlich negiert (s.o. Exodus).

„Türen der Urzeit: Nach dieser Vorstellung wurden die Tore des Jerusalemer Tempel bereits geschaffen, als Gott die Welt gegründet hat“ (zu Psalm 24,7). Wenn man poetische Bilder bibelkritisch ausdeutet, kommt man wahrlich auf verrückte Ideen. Wenn man also genau hinschaut, entdeckt man leider an etlichen solcher Stellen Bibelkritik.

Echte Prophetie wird abgelehnt (Anmerkung zu Dan 11,40). Hier wird unterstellt, dass das Danielbuch erst nach den geweissagten Geschehnissen entstand. Andere Texte, die nicht in die Theologie passen, werden kurzerhand als späterer Einschub in die Bibel erklärt (zu 1Kor 14,34-35), obwohl diese Verse in keiner einzigen Korintherhandschrift fehlen.

Die Übersetzung selbst ist in Ordnung, und macht den Inhalt von Gottes Wort verständlich – falls man sinngenaue Bibelübersetzungen nicht grundsätzlich ablehnt. In der Übersetzung ist mir bisher kein offensichtlicher Fehler begegnet. Es lohnt sich durchaus, hineinzuschauen und man wird immer noch viel Gutes entdecken. In den Anmerkungen und sonstigen Einleitungen bemühen sich die Verantwortlichen durchaus um geistliche Erklärungen, wobei ihre bibelkritischen Hintergründe gut versteckt sind. Es ist die typische Haltung, die sich heute im evangelikalen Bereich immer mehr ausbreitet: Man verschießt gezielt kleine Giftpfeile der Bibelkritik, betrachtet aber das, was man tut als die eigentliche „Bibelwissenschaft“.

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Danke für diese sehr treffende Abhandlung - man könnte sie fast deckungsgleich auf die Zusatzteile der Zürcher-Bibel und Einheitsübersetzung anwenden. Ich finde es bitter, dass eine Übersetzung, die einen so guten Ansatz wie die Basisbibel hat,...

Danke für diese sehr treffende Abhandlung - man könnte sie fast deckungsgleich auf die Zusatzteile der Zürcher-Bibel und Einheitsübersetzung anwenden. Ich finde es bitter, dass eine Übersetzung, die einen so guten Ansatz wie die Basisbibel hat, ein so ehrfurchtsloses Auftreten in ergänzenden Texten an den Tag legt. Unbegreiflich.

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Dexter
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