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Mönch.iconWarum übersetzt du Buße nicht mit Buße?

Wer die Bibel studiert, sollte sich auf Überraschungen gefasst machen. Als ich einem Begriff nachging, den Martin Luther damals mit „Buße“ übersetzte, bin ich über dessen biblische Bedeutung gestolpert. Schnell wurde mir klar, dass biblische Buße etwas anderes ist, als die Strafe, die man für zu schnelles Autofahren zahlt. Es ist auch keine Drohung: „Das wirst du mir büßen!“

Aber was ist es dann? Schauen wir uns zunächst etwas in der Geschichte um, als zweites muss ich Sie ein wenig mit Griechisch und mit meinem alten Motorrad plagen und zum Schluss will ich den biblischen Zusammenhang zeigen.

1         Geschichtliches

Es war im Januar des Jahres 1077 n.Chr. Ein deutscher König steht vor den Toren der Burg Canossa. 25 Jahre ist er alt. Er hat kein Heer mitgebracht. Allein und ohne Waffen steht er dort und bittet einen mächtigen Papst als Zeichen der Vergebung um Einlass. Er trägt ein Büßerhemd und ist barfuß. Drei Tage lang lässt Papst Gregor VII. König Heinrich in bitterer Kälte draußen stehen. Barfuß im Schnee. Im Namen Gottes. Als Buße.

Es ist um das Jahr 1350. Gruppen von Menschen durchziehen das Land. Von Ort zu Ort. Man hört sie schon von weitem. Zuerst sind es ihre Psalmgesänge und Laute der Verzückung. Dazwischen Gebetsrufe. Endlich ein eigentümliches Klatschen. Unaufhörlich. Dann ist der Zug herangekommen. Menschen mit zer­fetzten Kleidern. Ihre Haut ist voller Striemen, manche aufgeplatzt, blutend. Immer wieder klatscht die Peitsche in ihrer Hand mit voller Wucht auf den eigenen Rücken. Sie geißeln sich selbst. Alle paar Meter ein Schlag. Als selbst gewählte Buße. Mancher bezahlt das mit dem Wahnsinn.

Rom 1510. Ein Mönch aus Wittenberg möchte Vergebung seiner Sünden. Mit vielen anderen kniet er am Fuß der Pilatussteige. Dann er­klimmt er die lange Treppe, auf den Knien. Später weiß er, dass die Qualen solcher Buße Gott nicht gefallen und wird zu einem voll­mächtigen Verkündiger der Gnade Gottes: Martin Luther.

Um das Jahr 1700 n.Chr. lebt ein Mann in Halle an der Saale, der das Evangelium und die Menschen liebt, besonders die Kinder. Und er wird wieder geliebt, von hunderten von Waisenkindern. Aber manchmal vergisst er das Evangelium et­was und verlangte von den Kindern das, was sei­ner eigenen Erfahrung entsprochen hatte. In heißem Bußkampf, unter vielen Tränen hat er den Durchbruch der Gnade bei sich er­lebt. Jetzt erwartet er den gleichen Kampf bei jedem echt Bekehrten. Ein Bußgebet gilt nur, wenn es unter Tränen gesprochen wird. Um das zu erreichen, hält er seinen Kindern, für die er sorgt, harte Gesetzespredigten.

Bis heute meinen manche Christen, eine Buße sei nur dann echt, wenn Tränen dabei vergossen werden. Auf diese Weise machen sie Buße zu einer Sache des Gefühls. Hier wäre eher der Begriff Reue angebracht, denn Reue hat es mit Gefühl zu tun. Aber Gefühl reicht nicht zur Umkehr aus, wie das Beispiel des Judas beweist.

Katholischen Christen wiederum wird gelehrt, dass Buße ein dreiteiliges Sakrament sei. Sie bestehe aus der Zerknirschung des Herzens, dem mündli­chen Sündenbekenntnis vor dem Priester und der Genugtuung durch Werke, d.h. man erle­digt die vom Priester auferlegten Werke der Buße, z.B. 20 Vaterunser und 30 Ave-Maria beten, auch Fasten, Armen helfen. Im
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wird Buße tatsächlich als Wiedergutmachung für ein begangenes Unrecht definiert.

Kaum ein biblischer Begriff wird gerade unter Frommen so missverstanden. Dort wird Buße nicht nur mit Reue verwechselt, sondern häufig auch mit Bekehrung gleichgesetzt. Im nichtchristlichen Bereich wird Buße nur noch im Zusammenhang mit Lückenbüßer oder Geldbuße verstanden und in Bezug auf die Christen mit tätige Reue wiedergegeben, wobei keiner genau weiß, was man sich darunter vorstellen muss.

Doch Gott gebraucht die drei Begriffe offenbar, um drei Bereiche unserer Persönlichkeit anzusprechen. Reue hat es oft mit dem Gefühl zu tun, Buße erkläre ich gleich und bei der Bekehrung liegt der Schwerpunkt auf einem von Gott geschenkten Willensentschluss.

Schauen wir also ein wenig genauer hin.

 

2         Begriffliches

Das Wort, das Martin Luther damals mit „Buße tun“ übersetzt hat, heißt im griechischen Grundtext meta-noeo. Darin steckt das Verb noieo für „begreifen, erkennen, verstehen, durch den Verstand wahrnehmen“. Dazu kommt das Vorwort meta für „mitten zwischen“. Meta-noeo deutet also an, dass da etwas mitten zwischen das Denken hineinfährt und es völlig verändert. Aus diesem Grund sollten wir „Buße tun“ heute besser mit „Umdenken, sich um-besinnen“ wiedergeben. (Schon früher wurde es manchmal mit „Sinnesänderung“ wiedergegeben.) Als ich nach einem geeigneten Begriff suchte, stieß ich auf Einstellung. Buße tun heißt, die Einstellung ändern. Gott legt Wert darauf, daß Menschen ihren Sinn oder ihre Einstellung ändern. Aber wie soll das geschehen?

Als Student besaß ich ein tschechisches Motorrad, eine „Java CZ 250“. Das war für mich kein Luxusgefährt, sondern eine Art Übergangsstation zum „Trabant“, dem „Auto des kleinen Man­nes“ in der ehemaligen DDR. Trotzdem war ich stolz darauf und habe natürlich auch daran herumgebastelt. Einmal ver­suchte ich, die Zündung einzustellen. Da ich keine genauen Meßinstrumente besaß, bediente ich mich sehr primitiver Hilfsmittel zur Feststellung des genau­en Zündzeitpunktes. Nach mehreren mißglückten Einstellversuchen freute ich mich, dass der Motor überhaupt wieder ansprang. Noch ein paar Veränderungen in der Stellung des Kolbens, dann startete ich die Maschine, setzte mich darauf, legte den Gang ein und wollte losfahren. Doch zu meiner großen Überraschung fuhr das Ding rückwärts. Können Sie sich ein Motorrad vorstellen, das rückwärts fährt?

Aber vielleicht ist das ein brauchbares Bild für unser Leben. Nur wenn der Motor meines Lebens richtig eingestellt ist, kann er die Maschine meines Denkens, Wollens und Handelns voranbringen. Wer eine falsche Einstellung hat, bei dem geht es rückwärts.

Eine richtige oder falsche Einstellung hat großen Einfluss auf das Leben. Nehmen wir an, da hat jemand eine miserable Einstellung zur Arbeit. Sein Denken wird in Bezug darauf von völli­ger Interesselosigkeit gekennzeichnet sein. Sein Wollen dreht sich nur um das eigene Wohl und ist dann von sol­chen Sätzen geprägt: „Die können mich mal ...“, „Ich werde doch für die keine Überstunden ma­chen“ oder gar: „Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr herauszuholen...“. Sein Han­deln ist dann auch entsprechend. Er arbeitet schlecht und nimmt mehr nach Hause mit, als ihm gehört. Wenn ein Mensch die richtige Einstellung hat, kommt er voran, wenn er die falsche hat, be­kommt er Probleme.

Was meint ihr, könnte ein Arbeitgeber tun, um die Einstellung seines Mitarbeiters in solch einem Fall zu ändern?

Um diesen Zustand zu ändern, muss zunächst in unserem Kopf etwas passieren. Aber kein Mensch wird seine Einstellung von allein ändern. Der Chef muss eingreifen Er wird versuchen zu motivieren, wird eine Belohnung versprechen oder auch Konsequenzen androhen. Von sich aus ändert ein Mensch nichts.

Oder denken wir an das Beispiel vom Motorrad. Es repariert sich nie von allein. Da muss der Meister heran.

Ebenso wenig kommt ein Mensch von sich aus auf die Idee, Buße zu tun, also in geistlicher Hinsicht seine Einstellung zu ändern. Wenn er nicht von etwas getroffen wird, das er als Wort Gottes erkennt, wird sich bei ihm nichts ändern.

Natürlich können Menschen ihm dieses Wort vermitteln, aber es muss tiefer eindringen, als nur bis in die Ohren. Es muss sein Innerstes treffen. Das ist der Grund für die Wirkungslosigkeit so vieler gut gemeinter Appelle. Sie blieben an der Oberfläche, weil sie nicht von Gebet getragen waren. Nur wer Gott an sich erfährt, kann seine Einstel­lung zu ihm ändern.

So schreibt es Paulus auch an seinen Mitarbeiter Timotheus, der in Ephesus schwierige Leute mit Geduld zurechtweisen solle. Und dann kommt ein bemerkenswerter Satz:

2Tim 2,25 Vielleicht gibt ihnen Gott die Möglichkeit zur Änderung ihrer Einstellung, dass sie die Wahrheit erkennen, 26 wieder zur Besinnung kommen und sich aus der Schlinge befreien, in der sie der Teufel gefangen hält, um sie für seine Absichten zu missbrauchen.

Das alles möchte ich drittens noch mit einigen biblischen Beispielen belegen.

 

3         Biblisches

An die Epheser schrieb Paulus einmal:

Eph 4 17 Ich muss euch nun Folgendes sagen und ermahne euch im Auftrag des Herrn: Ihr dürft nicht mehr so leben wie die Menschen, die Gott nicht kennen. Ihr Leben und Denken ist von Nichtigkeiten bestimmt, 18 und in ihrem Verstand ist es finster, weil sie vom Leben mit Gott ausgeschlossen sind. Das kommt von der Unwissenheit, in der sie befangen sind, und von ihrem verstockten Herzen.

Wir sollten diesen Text nicht missverstehen, als ob Paulus diese Leute für dumm hielt. Diese Leute waren nicht dumm, aber sie hatten eine falsche Einstellung. Bei ihnen ging es nicht vorwärts hin zu Gott, sondern rückwärts weg von ihm. Sie brauchten unbedingt eine Metanoia, eine Änderung ih­rer Einstellung.

In seiner Predigt auf dem Areopag (Apg 17,30) sagte der Apostel Paulus den Athenern: Gott hat zwar über die Unwissenheit vergangener Zeiten hinweggesehen, doch jetzt fordert er alle Menschen überall auf, ihre Einstellung zu ändern. Gott befiehlt den Menschen, ihre Einstellung ihm gegenüber zu ändern und zwar in allen geistlichen und moralischen Belangen. Gott möchte zwischen ihr Denken fahren und es gründlich verwandeln, denn nur das führt auch zu einem veränderten Leben.

Noch bevor unser Herr seinen Dienst begann, predigte Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa. Der Inhalt dieser Predigten ließ sich in zwei kurzen Sätzen zusammenfassen:

Mt 3 „Ändert eure Einstellung, denn die Herrschaft des Himmels ist nah!“

Weil Gottes Herrschaft in Sicht ist, sollen die Menschen ihre Einstellung ändern. Gott wollte anfan­gen, seine Herrschaft unter den Menschen auf­zurichten und gebrauchte Johannes, um seinen Weg vorzubereiten.

Mt 3 Die Bevölkerung von Jerusalem, Judäa und der ganzen Jordangegend kam zu Johannes hinaus. Sie ließen sich im Jordan von ihm taufen und bekannten dabei ihre Sünden.

Als Zeichen dafür, daß sie bereit waren, sich der Herrschaft Gottes zu unterstellen, ließen sich die Leute taufen und bekannten dabei ihre Sünden, als Zeichen, daß sie ihre Gesinnung, ihre Einstellung wirklich geändert hatten. Das war echte Buße. Aber nicht bei al­len war sie echt.

Mt 3 Als Johannes viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sagte er: „Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, dass ihr dem kommenden Zorngericht Gottes entgeht? Bringt Früchte hervor, die zeigen, dass ihr eure Einstellung geändert habt! Und fangt nicht an zu denken, dass ihr doch die Nachkommen Abrahams seid. Ich sage euch: Gott kann Abraham aus diesen Steinen hier Kinder erwecken!

Das heißt: Bringt Beweise für eure veränderte Einstellung. Heuchelt nicht weiter! Verlasst euch nicht auf eure fromme Abstammung oder Tradition! Kehrt wirklich zu Gott um. Das muss in eurem Inneren geschehen und wird sichtbare Auswirkungen haben.

Als Jesus dann seinen Dienst begann, waren die Leute noch mehr beeindruckt.

Mk 1 22 Die Menschen waren sehr überrascht von seiner Lehre, denn er lehrte nicht, wie sie es von den Gesetzeslehrern kannten, sondern sprach mit Vollmacht.

Aber er nutzte seine Vollmacht niemals aus. Niemals zwang er die Menschen zu irgendetwas, nicht einmal zu ihrem Guten. Er gab ihnen die Möglichkeit umzukehren, aber er drehte sie nicht um. So müssen wir auch den erstaunlichen Vers in Mt 11 verstehen.

Mt 11 20 Dann begann Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, vorzuwerfen, dass sie ihre Einstellung nicht geändert hatten.

Er hatte sie nicht gezwungen. Er ließ ihnen die Freiheit. Und die meisten Einwohner dieser Städte entschieden sich gegen ihn und das trotz seiner Wunder! Und wer heute meint, dass Wunder Buße bewirken, befindet sich auf einem Holzweg. Unser Herr erlebte das Gegenteil.

Eine Regung des Gefühls, ein Erstaunen oder auch ein Betroffensein reicht nicht aus. Es muss zu einer gründlichen Umkehr, zu einem radikalen Umdenken kommen. Wir brauchen eine Entrümplung unserer Anschauungen und Meinungen. Wir müssen Gottes Wort erlauben, dazwischenzufahren!

Als der Apostel Paulus sich vor König Agrippa verantworten musste, sprach er auch über seine Arbeit. Er sagte (Apg 26,20b):

Ich sagte den Menschen, dass sie ihre Einstellung ändern, zu Gott umkehren und ein Leben führen sollen, das ihre veränderte Einstellung beweist.

Auf dem Areopag in Athen führte Paulus seinen neugierigen Zuhörern kein Wunder vor, sondern sagte:

Apg 17 30 Gott hat zwar über die Unwissenheit vergangener Zeiten hinweggesehen, doch jetzt fordert er alle Menschen überall auf, ihre Einstellung zu ändern. 31 Er hat nämlich einen Tag festgesetzt, an dem er über die ganze Menschheit Gericht halten und ein gerechtes Urteil sprechen wird. Und zum Richter hat er einen Mann bestimmt, den er für die ganze Welt dadurch beglaubigte, dass er ihn von den Toten auferweckt hat.

Überall sollen die Menschen ihre Einstellung ändern

Das ist sozusagen die erstmalige, grundlegende Buße, am Anfang unseres Glaubenslebens, der die Bekehrung folgt. Dabei darf es aber nicht bleiben.

Im letzten Buch der Bibel werden im Sendschreiben an die Gemeinde Ephesus Menschen angesprochen, die einen guten Anfang im Glauben gemacht hatten, deren Liebe später aber sehr abgekühlt war. Dieser Gemeinde sagte der Herr:

Offen­barung 2 Denk einmal darüber nach, wie weit du davon abgekommen bist! Ändere deine Einstellung und handle so wie am Anfang!

Die Christen in dieser Gemeinde werden nicht zur Bekehrung aufgefordert, denn sie waren schon gläubig. Sie werden auch nicht aufgefordert, irgendwelche Taten zu bereuen, sondern zur Änderung ihrer Einstellung.

Die Christen in dieser Gemeinde brauchten eine neue Einstellung zu ihrem Herrn. Das heißt, sie mussten ihr Denken über ihn grundlegend ändern. Sie mussten begrei­fen, dass es wichtiger war, ihm zu gefallen, als zum Beispiel um gesellschaftliche Anerken­nung zu kämpfen. Jesus Christus war nicht mehr der Mittelpunkt ihres Denkens, deshalb hat­ten sie aufgehört zu missionieren. Die Gebetsstunden besuchten die meisten schon lange nicht mehr. Das Gemein­deleben war in Routine erstarrt. Und das Glaubensleben natürlich auch.

Vielleicht ist es heute nötig, daß du deine Einstellung zu einer bestimmten Sünde änderst oder deine Einstellung zu einem bestimmten Nächsten.

Bete darum, dass Jesus dir zeigt, wo du deine Einstellung zu ihm und seinem Werk ändern musst. Und flehe ihn an, dass er deinem Nächsten, den du auf einem falschen Weg siehst, die Gnade der Buße schenkt.

Hören wir einen letzten Vers aus Gottes Wort:

Röm 12 Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umge­stalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt.

Die Erneuerung meines Sinnes führt zu meiner Verwandlung und Umgestaltung in das Bild meines Herrn Jesus Christus.

Buße ist nicht drei Tage im Schnee stehen, ist nicht geißeln und Tränen vergießen, Buße kann man nicht kaufen und auch nicht nach der Beichte abarbeiten. Buße ist, dass ich mit Gottes Hilfe erkenne, wo ich meine Einstellung ändern muss, dass ich ihn darum bitte, mir dabei zu helfen und es dann wirklich tue, damit sich mein Leben ändert. Diese Erneuerung unseres Sinnes ist aber nicht mit dem Tag unserer Bekehrung oder Taufe abgeschlossen. Sie geschieht immer dann, wenn wir auf Gott und sein Wort stoßen, z.B. heute. Möge Gott schenken, dass jeder von uns im Herzen erfasst, wo er seine Einstellung ändern muss.