BWSBestimmte Fragen müssen gestellt werden. Vielleicht piksen sie zunächst ein wenig wie die Nadel beim Impfen, aber dann stellt sich doch ein gewisser Schutz ein, zum Beispiel vor dem gedankenlosen Gebrauch bestimmter Begriffe. 

Bibeltreu wollen sie ja alle sein – die Evangelikalen und ihre Werke. Der Begriff klingt gegenüber dem abgenutzten “evangelikal” seriös und vertrauenerweckend – vor allem dem einfachen Spender gegenüber. Denn der legt Wert auf Bibeltreue.

Doch was ist Bibeltreue? Es ist schwierig, darüber zu reden, wenn jeder sich etwas anderes darunter vorstellt.

Manche Gläubige sehen ja bereits das als Bibelkritik an, was nicht mit ihrer traditionellen Auslegung übereinstimmt. Andere betrachten selbst das Nichteinhalten gewisser gemeindeinterner Bestimmungen, die sich auf das Verhalten, die Kleidung oder den Musikgeschmack beziehen, als liberale Lebensweise, die Sanktionen von der Gemeindeleitung nach sich ziehen. Wieder andere betrachten sich in solchen Dingen als völlig frei und fragen kaum noch, ob das eigene Tun und Lassen vom Wort Gottes gedeckt ist. Sie feiern die Anpassung an den Zeitgeist und legen die Bibel so aus, dass sie letztlich mehr oder weniger ihren Wünschen entspricht.
Doch Bibeltreue hängt auf jeden Fall mit dem uneingeschränkten Vertrauen in die Bibel als dem verbindlichen Wort Gottes zusammen. Ich will versuchen, sieben Grenzpflöcke einzuschlagen, die das Gebiet bibeltreuer Publizistik einigermaßen abstecken.

1 Bibeltreue Publizistik erfordert bibeltreue Publizisten

Das klingt trivial, ist aber sehr wichtig, denn bibeltreue Publizisten sitzen im Glashaus und werden mit Argusaugen beobachtet. Praktische und formale Bibelkritik äußert sich gewöhnlich zuerst in der Ethik. Wenn unser Leben nicht stimmt, wird unsere Lehre zur Farce und unsere Veröffentlichungen zur Heuchelei. Biblisch gesprochen ist unsere Lehre dann nicht mehr gesund, auch wenn sie formal noch richtig sein sollte.
Ein bibeltreuer Publizist wird jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus. Er stellt keine Norm und keine Philosophie, keine eigene Meinung über die Schrift. Er lässt sich und sein Denken an der Schrift messen.

2 Bibeltreue Publizistik führt Menschen zur Bibel

Sie macht Menschen auf die Bibel, dieses einzigartige Buch aufmerksam. Ihre Vertreter haben selbst Ehrfurcht vor dem Wort Gottes und möchten anderen dazu verhelfen. Sie halten die Bibel nicht nur für ein interessantes Kulturgut, sondern betrachten sie als lebenswichtig für jeden Menschen. Eine bibeltreue Publizistik wird bibelkritische Aussagen kritisch hinterfragen.

3 Bibeltreue Publizistik entspricht dem Wesen der Bibel

Sie ist wahrhaftig, wie die Bibel wahrhaftig ist. Die Bibel schildert ihre Helden zum Beispiel ganz wahrhaftig. Auch wir dürften z.B. in Erzählungen oder Berichten nichts übertreiben oder beschönigen. Wahrhaftigkeit erfordert sorgfältige Recherche.
Negativbeispiele sind etwa die im evangelikalen Raum umherschwirrenden Gerüchte über okkulte Verstrickungen einer bestimmten amerikanischen Firma oder über die Bekehrung Darwins oder auch die Verbreitung des angeblich von Heinrich Heine stammenden Gedichts: „Zerschlagen ist die alte Leier ...“.
Sie ist geistlich. Der Gegensatz wäre fleischlich. Es geht ihr nicht um die persönliche Selbstdarstellung einzelner Publizisten, sondern um Gottes Ehre.

4 Bibeltreue Publizistik entspricht den Zielen der Bibel

Die Bibel will Menschen über Gott und sein Wesen informieren, über sein Handeln in der Geschichte, aber auch über das Wesen des Menschen. Letztlich will sie Menschen zu Gott führen, zur Heilsgewissheit verhelfen, im Glauben weiterbringen.
Eine bibeltreue Publizistik wird ähnliche Schwerpunkte setzen.

5 Bibeltreue Publizistik entspricht der Lehre der Bibel

Sie entspricht zum Beispiel dem, was die Bibel über sich selbst sagt, was Jesus über das Alte Testament dachte, was die Bibel über Schöpfung oder über die letzten Dinge lehrt. Bibeltreue Publizistik vertritt von daher die volle Inspiration, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift.

6 Bibeltreue Publizistik stellt sich zu den ewigen Wahrheiten und widersteht dem Zeitgeist

Zeitgeist, das sind die Denkvereinbarungen der Gegenwart, die Paradigmen dieser Zeit, wie sie vorherrschen in Philosophie, Theologie und Ideologie. Zeitgeist ist die Art von Desinformation, die man political correctness nennt, er beinhaltet die Meinungen, die man öffentlich verbreiten darf, ohne von allen Seiten angegriffen zu werden, zum Beispiel über die Rolle der Frau, über Mission, Homosexualität, Toleranz. Eine bibeltreue Publizistik darf sich davon nicht beeinflussen lassen. Sie kann aufnehmen, was mit der Schrift übereinstimmt und wird deutlich ablehnen, was die Bibel ablehnt. Wahrheit ist aber keine Modeerscheinung, auch wenn sie im Zeitalter der Postmoderne allseits relativiert wird.

7 Bibeltreue Publizistik stellt sich zur ganzen Schrift und widersteht dem Totalitätsanspruch von Sonderlehren

Damit sind in jedem Fall Irrlehren ausgeschlossen, die nicht mit der Schrift übereinstimmen oder über sie hinausgehen. Eine bibeltreue Publizistik muss sich aber auch davor hüten, bestimmte einseitige Betonungen bestimmter christlicher Gruppen zu übernehmen. Von einem bibeltreuen Publizisten müsste man erwarten, dass er solche Lehren (wie z.B. Taufe, Abendmahl, 1000-jähriges Reich) richtig einordnen kann und nicht über die Schrift oder über andere Gläubige stellt. Nicht die Sonderlehren einer bestimmten Gruppe sind Maßstab für alle anderen, sondern die Schrift selbst. Eine bibeltreue Publizistik dürfte also Lehren, die nach den üblichen Regeln einer bibeltreuen Hermeneutik allein aus der Schrift gewonnen wurden, nicht einfach als unbiblisch verdammen – auch wenn sie der eigenen Anschauung widersprechen.

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