Wie die Bibel selbst nahelegt, gibt es zwei grundlegenden Übersetzungstypen. Entweder ist die Übersetzung wortgenau oder sie ist sinngenau. 

Beide Arten der Übersetzung haben Vorteile und Nachteile, von denen einige im Folgenden aufgelistet werden sollen. Übrigens ist die Unterscheidung zwischen Übertragung und Übersetzung nicht sinnvoll, weil der Begriff Übertragung eine größere Ungenauigkeit suggeriert. Man frage einmal einen Dolmetscher, ob er in seiner Arbeit übersetzt oder überträgt. Nein, es ist klarer bei Bibelübersetzungen zwischen wortgenau und sinngenau zu unterscheiden, wobei es alle möglichen Zwischenstationen gibt.

Die Elberfelder Bibel (egal ob revidiert oder nicht) soll hier für die wortgenauen Übersetzungen stehen, die Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ) oder auch die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) soll für eine sinngenaue Übersetzung stehen. Die Lutherbibel steht irgendwo dazwischen, denn Luther hat durchaus nicht immer wortgenau übersetzt. Das war ja der Grund, dass die Elberfelder Bibel als Bibel zum genaueren Studieren des Wortes Gottes geschaffen wurde.

 

Wortgenaue Übersetzungen
„Studienbibel“

Sinngenaue Übersetzungen
„Lesebibel“

grammatisch-wörtlich

Übereinstimmung mit der sprachlichen Form des Originals: gleiche Wörter, Ausdrücke, Konstruktionen werden möglichst auf die gleiche Weise wiedergegeben.

dynamisch-äquivalent

Der Inhalt soll möglichst unversehrt wiedergegeben werden, aber mit den besten Ausdrucksmitteln der deutschen Sprache.

gut zum Studieren geeignet

Studium von Einzelheiten (Wortvergleiche u.ä.), Exegese ist möglich, ohne dass man die Grundsprachen lernen muss.

gut zum großflächigen Lesen geeignet

Studium biblischer Zusammenhänge ist möglich, weil man schnell einen größeren Überblick bekommt.

nicht gut für Erstleser geeignet

Es wird viel Hintergrundwissen benötigt, um den Text zu verstehen. Das Deutsch ist oft unnötig umständlich, weil es stark an den Grundsprachen ausgerichtet ist.

sehr gut für Erstleser geeignet

Man kann fast alles gleich beim Lesen verstehen. Von daher ist sie besonders gut für Nichtchristen und einfache Menschen geeignet, denen das Studieren schwerfällt.

Poetische Texte

können nicht mehr als solche gelesen und erkannt werden.

Poetische Texte

können in einem bestimmten Sprachrhythmus wiedergegeben und gut erkannt werden.

Missverständnisse

und Fehldeutungen durch unverstandene Be­griffe und Wendungen sind leicht möglich.

Einseitigkeiten

können dadurch entstehen, dass die Mehrdeutigkeit mancher Text verloren geht.

Beispiele

Eph 5,18: Berauscht euch nicht mit Wein. (Bier und Schnaps wären demnach
erlaubt?)

1Jo 3,18: Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit! (Lieben mit der Zunge?)

1Sam 24,4: … wo eine Höhle war, und Saul ging hinein, um seine Füße zu bedecken. (Hat er sich schlafen gelegt?)

Beispiele

Betrinkt euch nicht! (Mit keiner Art von Alkohol darf man sich einen Rausch antrinken.)

Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur in schönen Worten bestehen; unser Tun muss ein glaubwürdiger Beweis dafür sein.

ging er zum Austreten in die Höhle dort. (Ein verhüllender Ausdruck wird mit einem entsprechenden Ausdruck wiedergegeben.)

Schwächen

Wenn die Wortgenauigkeit übertrieben ist wie bei konkordanten Übersetzungen, wird der Text  nahezu unverständlich.

Offb 1,3: Glückselig der Lesende und die Hörenden das Wort des Prophetie und die Hütenden die infolge von ihr Geschrieben­wordenen; denn die Frist ist nahe.[ 1 ]DaBhaR-Übersetzung von F.H. Baader. 23 Worte. Die alte Elberfelder benötigt 24 Worte ist aber sehr viel verständlicher (siehe 4.1).

Schwächen

Wenn der Wortschwall überhand nimmt wie bei paraphrasierenden Übersetzungen, wird der Text viel stärker ausgelegt statt übersetzt.

Wer diese prophetischen Worte liest, ernst nimmt und danach lebt, der kann sich echt glücklich schätzen. Denn das wird alles bald genauso abgehen wie es hier steht.[ 2 ]Volxbibel: 27 Worte gegenüber 20 des Grundtextes, abgesehen von der saloppen Jugendsprache. Roland Werner in „Das Buch“ benötigt sogar 34 Worte im gehobenen Deutsch. Bruns benötigte 30 und eine Erklärung in Klammern von 7 Worten. Die NeÜ braucht allerdings nur 22 Worte (siehe 4,1).

 

Ein Leser, der die biblischen Grundsprachen nicht beherrscht, verwendet am besten eine wortgenaue und eine sinngenaue Übersetzung nebeneinander. Und wenn er beim Lesen eines Verses feststellt, dass in beiden Übersetzungen derselbe Sinn deutlich wird, kann er sicher sein: Das ist Gottes Wort für mich.

Erkenntnis 8: Jede Art von Bibelübersetzung hat Vorteile und auch Nachteile, die eine ist mehr zum Studieren geeignet, die andere mehr zum großflächigen Lesen.