In den Samuelbüchern

Wer tötete Goliat? Wer verleitete David, Israel zu zählen? Wie lange sollte die Hungersnot dauern? ...

Die Schriftstellen

[1Sam 15,10-11] Da kam das Wort Jahwes zu Samuel: "Es ist mir leid, Saul zum König gemacht zu haben, denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht befolgt." Samuel war tief betroffen und schrie die ganze Nacht zu Jahwe.

[1Sam 15,29] Er, der Ruhm seines Volkes Israel, lügt nicht, und es tut ihm auch nicht leid. Er ist nicht wie ein Mensch, der seine Entscheidung bereut."

[1Sam 15,35] Samuel sah Saul bis zu seinem Tod nicht mehr. Er trauerte um ihn, weil es Jahwe leidtat, dass er Saul zum König über Israel gemacht hatte.

[1Mo 6,6-7] Jahwe bekümmerte es, den Menschen erschaffen zu haben, und es schmerzte ihn bis in sein Innerstes hinein. Er beschloss: "Ich werde den Menschen, den ich geschaffen habe, vom Erdboden wegwischen, samt dem Vieh, den Kriechtieren und Vögeln, denn ich bedaure, sie gemacht zu haben."

Die Frage

Muss Gott etwas bereuen, das er falsch gemacht hat?

Die Antwort

Nein, Gott hat nichts falsch gemacht, das er bereuen müsste. 

Gott wusste, dass Saul als König Israels scheitern würde. Trotzdem erlaubte er ihm, König zu sein und gebrauchte ihn in dieser gefährlichen Situation für Israel dazu, seinen Willen zu tun. An dieser Stelle bewährte sich Saul auch. Aber Gott hatte schon lange vorher klar gemacht, dass sein König nicht aus dem Stamm Benjamin wie Saul, sondern aus dem Stamm Juda kommen würde (1. Mose 49,8-10).

Als es nun aber soweit war, tat es Gott einerseits leid um Saul. Das bedeutet das Wort bereuen. Es hat einerseits etwas mit dem Gefühl zu tun, wie es gerade auch 1. Mose 6,6 sehr schön ausdrückt. Aber Gott lässt sich nicht durch Gefühlsschwankungen umstimmen. Gott freut sich nicht, sondern er ist bekümmert, wenn ein Mensch oder die ganze Menschheit versagt, und zwar obwohl er es vorher weiß. Und er entschließt sich, jetzt zu handeln. Das ist der zweite Aspekt des hebräischen Wortes (Nifal von nacham), das im Deutschen oft mit Reue übersetzt wird.

Die Schriftstellen

[1Sam 17,23.50] Während er noch mit ihnen sprach, trat Goliat aus Gat, der Vorkämpfer der Philister, wieder vor. Er sagte das Gleiche wie zuvor, und David hörte es. So besiegte David mit Schleuder und Stein den Philister. Er hatte kein Schwert in der Hand.

[2Sam 21,19] Bei einem weiteren Kampf in Gob erschlug der Weber Elhanan Ben-Jaïr aus Bethlehem den Philister Goliat aus Gat, dessen Speer so dick wie ein Weberbaum war.

Die Frage

Wer tötete Goliat, David oder Elhanan?

Die Antwort

David tötete Goliat, Elhanan erschlug dessen Bruder.

Es ist möglich, dass ein Kopist in 2. Samuel 21,19 die Worte für "Lahmi, den Bruder von Goliat" gelesen hat als "Goliat der Bethlehemit", was im Hebräischen leicht verwechselt werden kann.

 

 

 

Siehe Markus 2,26

 

Die Schriftstellen

[1Sam 31,4-5] Da sagte Saul zu seinem Waffenträger: "Zieh dein Schwert und töte mich, damit nicht diese Unbeschnittenen es tun und ihren Spott mit mir treiben!" Sein Waffenträger aber wollte es nicht tun, er scheute sich davor. Da nahm Saul sein Schwert und stürzte sich hinein. Als der Waffenträger sah, dass Saul tot war, stürzte auch er sich in sein Schwert und starb neben ihm.

[2Sam 1,2.6-10] Am dritten Tag kam einer von Sauls Leuten aus dem Heerlager. Seine Kleider waren zerrissen und er hatte Erde auf dem Kopf. Als er zu David kam, warf er sich ehrfürchtig auf den Boden vor ihn. Der junge Mann berichtete: "Ich geriet zufällig auf die Berge von Gilboa. Da sah ich Saul stehen, wie er sich auf seinen Speer stützte. Die Streitwagen hatten ihn schon fast erreicht. Da drehte er sich um, sah mich und rief mich zu sich. 'Ja, Herr', sagte ich. 'Wer bist du?', fragte er. 'Ein Amalekiter', antwortete ich. Da sagte er zu mir: 'Komm her und gib mir den Todesstoß! Mit mir geht es zu Ende.' Da trat ich zu ihm und gab ihm den Todesstoß, denn ich sah, dass er seinen Fall nicht überleben würde. Dann nahm ich ihm den Stirnreif und die Armspange ab. Hier sind sie, Herr."

Die Frage

Wer tötete Saul, ein Amalekiter oder Saul selbst?

Die Antwort

Saul tötete sich selbst.

Der Amalekiter hatte wahrscheinlich dem toten Saul Stirnreif und Armspangen abgenommen, um sich dadurch eine Belohnung zu verdienen. Denn die Philister hatten Sauls Leichnam immerhin erst am nächsten Tag entdeckt (1. Samuel 31,8). So wollte sich der Amalekiter mit einer Lüge eine Belohnung verdienen. Das allerdings kostete ihn selbst das Leben.

Siehe 1. Samuel 31

Die Schriftstellen

2. Samuel Kapitel 5-6

1. Chronik Kapitel 13-15

Die Frage

Wann brachte David die Bundeslade nach Jerusalem, vor oder nach dem Sieg über die Philister?

Die Antwort

Die erfolgreiche Überführung der Bundeslade fand nach dem Sieg über die Philister statt (1Chr 15!)

Es gab zwei Versuche Davids, die Bundeslade nach Jerusalem zu bringen. Dazwischen lagen drei Monate (2Sam 6,11). In dieser Zwischenzeit, also nach dem ersten erfolglosen Versuch, fanden die beiden Schlachten mit den Philistern statt. Samuel berichtet hier nicht chronologisch, sondern fasst beide Versuche zur Überführung in Kapitel 6 zusammen.

Die Schriftstellen

[2. Sam 8,4] David nahm 1700 Reiter und 20000 Fußsoldaten von ihm gefangen. Alle Streitwagen ließ er unbrauchbar machen, nur 100 behielt er für sich.

[1Chr 18,4] David nahm 1000 Wagen, 7000 Reiter und 20000 Fußsoldaten von ihm gefangen. Alle Streitwagen ließ er unbrauchbar machen, nur 100 behielt er für sich.

Die Frage

Wie viel Reiter nahm David gefangen, als er den König von Zoba bei Hamat schlug?

Die Antwort

David nahm 7000 Reiter gefangen.

Es handelt sich um einen Kopierfehler, der durch die versehentliche Weglassung eines Wortes entstand. Die LXX, einige Texte vom Toten Meer und 1Chr 18,4 haben die richtige Zahl.

Die Schriftstellen

[2. Sam 12,31] Die Bevölkerung der Stadt ließ David Zwangsarbeiten verrichten. Er stellte sie an Steinsägen, eiserne Pickel, eiserne Beile und Ziegelformen. So machte er es auch mit den anderen Städten der Ammoniter. Dann kehrte er mit dem ganzen Heer nach Jerusalem zurück.

Die alte Lutherbibel (und sinngemäß die nichtrevidierte Elberfelder) übersetzte:
Aber das Volk drinnen führte er heraus und legte sie unter eiserne Sägen und Zacken und eiserne Keile und verbrannte sie in Ziegelöfen. So tat er allen Städten der Kinder Ammon. Da kehrte David und alles Volk wieder gen Jerusalem.

[1Chr 20,3] Die Bevölkerung der Stadt ließ David Zwangsarbeiten verrichten. Er stellte sie an Steinsägen, eiserne Pickel und Beile. So machte er es auch mit den anderen Städten der Ammoniter. Dann kehrte er mit dem ganzen Heer nach Jerusalem zurück.

Die alte Lutherbibel (und sinngemäß die nichtrevidierte Elberfelder) übersetzte:
Aber das Volk drinnen führte er heraus und zerteilte sie mit Sägen und eisernen Dreschwagen und Keilen. Also tat David in allen Städten der Kinder Ammon. Und David zog samt dem Volk wider nach Jerusalem.

Die Frage

Warum übersetzte man früher, dass David Gefangene zersägen und verbrennen ließ, während die neueren Übersetzungen hier Zwangsarbeiten beschreiben?

Die Antwort

Die Übersetzung "zersägen" und "verbrennen" beruht einem sprachlichen Missverständnis.

Sie entspricht weder dem Zusammenhang des Textes noch den zeitgeschichtlichen Gegebenheiten.
Die alte Fassung geht auf ein Missverständnis in 1. Chronik 20,3 zurück. Das nur an dieser Stelle vorkommende Verb "wjjsr" wurde als "zersägen" gedeutet. Wahrscheinlich liegt hier ein früher Überlieferungsfehler vor und es ist zu lesen: "wjjsn" (Zwangsarbeit leisten). Beide Verben unterscheiden sich nur durch den letzten Buchstaben. Von daher kam das Zersägen in die alte griechische und lateinische Übersetzung (Septuaginta und Vulgata) hinein. Und von daher wurde auch der Paralleltext 2. Samuel 12,31 von den alten Übersetzern missverstanden.

Das "verbrannte in Ziegelöfen" heißt wörtlich: "ließ sie durch Ziegelformen gehen". Ziegelöfen gab es im damaligen Israel nicht. Die verwendeten Lehmziegel wurden wie in Ägypten an der Luft getrocknet.

Erst in der Römerzeit, im 1. Jahrhundert nach Christus, also 1000 Jahre nach David, setzte man in größerem Umfang gebrannte Ziegeln für Mauerwerk ein. Dazu benötigte man jedoch sehr viel Holz, was schließlich zu einer massiven Bodenerosion führte.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die Israeliten Kriegsgefangene mit zivilen, nicht-kriegerischen Geräten umständlich umbrachten. Dagegen war es üblich, Kriegsgefangene Zwangsarbeiten verrichten zu lassen (siehe 2. Samuel 20,24).

Siehe 2. Chronik 11,20

Siehe 1. Samuel 17

Die Schriftstellen

2Sam 23,8: Es folgen die Namen der Elitetruppe Davids: Jischbaal aus der Sippe Hachmoni, Haupt der Wagenkämpfer. Er schwang seinen Speer über 800 Mann, die er in einer Schlacht durchbohrte.

1Chr 11,11: Es folgt die Aufzählung der Elitetruppe Davids: Joschobam Ben-Hachmoni, Haupt der Offiziere. Er schwang seinen Speer über 300 Mann, die er in einer Schlacht durchbohrt hatte.

Die Frage

Wie viele Gegner erschlug Joschobam aus der Elitetruppe Davids in einer einzigen Schlacht?

Die Antwort

Wahrscheinlich 800.

300 scheint ein Kopierfehler zu sein, der eventuell durch Vers 20 oder durch eine Verwechslung bei althebräischen Zahlzeichen hervorgerufen wurde. (Wer Probleme mit der Tatsache, dass Handschriften auch geringfügige Kopierfehler haben können, schaue bitte noch einmal die Seite mit den Grundlagen an.)

WiderspruchIn fast allen Übersetzungen wird der erste Vers von 1. Chronik 21 falsch oder zumindest irreführend übersetzt. Dadurch entsteht ein scheinbarer Widerspruch zu 2. Samuel 24,1. Wie muss es richtig heißen? In der NeÜ ist es jetzt in allen digitalen Versionen korrigiert, auf die ich Zugriff habe. In der Revidierten Elberfelder Übersetzung wird es korrigiert. In den jeweiligen Druckversionen wird es aber erst in den nächsten Auflagen sichtbar sein.

Die Schriftstellen

2Sam 24,9: Joab teilte dem König das Ergebnis der Musterung mit: die Gesamtzahl der wehrfähigen Männer, die mit dem Schwert umgehen konnten, betrug in Israel 800.000 und in Juda 500.000.

1Chr 21,5-6: Joab teilte dem König das Ergebnis der Zählung mit: die Gesamtzahl der Männer, die mit dem Schwert umgehen konnten, betrug in ganz Israel 1.100.000 und in Juda 470.000. Die Stämme Levi und Benjamin hatte er nicht gezählt, denn der Befehl des Königs war Joab ein Gräuel.

Die Frage

Wie kann es zu diesen erheblich unterschiedlichen Zahlen kommen?

Die Antwort

Es gab 1.100.000 Wehrfähige in Israel.

Die Zahl bei Samuel schließt nicht das stehende Heer von 288.000 Mann (1Chr 27,1-15) ein, möglicherweise auch nicht die 12.000 Reiter, die um Jerusalem herum stationiert waren (2Chr 1,14), oder die Zahl war einfach auf 300.000 gerundet.

Es gab 500.000 Wehrfähige in Juda.

1Chr 21,6 berichtet, dass Joab die Zählung nicht zu Ende geführt hatte. Der Bericht in Samuel umfasst offenbar die bereits bekannte Zahl von 30.000 Männern in Benjamin. Benjamin wurde auch nach der Reichsteilung immer zu Juda gerechnet.

 

Die Schriftstellen

2Sam 24,13: Gad kam zu David und überbrachte die Botschaft. "Soll eine siebenjährige Hungersnot über das Land kommen?", sagte er. "Oder willst du drei Monate vor deinen Verfolgern fliehen? Oder soll drei Tage lang die Pest in deinem Land wüten? Überleg es dir gut und sag mir, welche Antwort ich dem überbringen soll, der mich gesandt hat."

1Chr 21,12: "Soll eine dreijährige Hungersnot kommen? Oder willst du drei Monate vor deinen Verfolgern fliehen und zugrunde gerichtet werden, wenn das Schwert dich einholt? Oder soll drei Tage lang das Schwert Jahwes, die Pest, im Land wüten, dass der Engel Jahwes im ganzen Gebiet Israels Verderben bringt?" Nun sag mir, welche Antwort ich dem überbringen soll, der mich gesandt hat.

Die Frage

Wie viel Jahre Hungersnot drohte Gott an?

Die Antwort

Gott drohte drei Jahre Hungersnot an.

In 2. Samuel wird wahrscheinlich die dreijährige Hungersnot, die gerade vergangen war (2. Samuel 21,1), mitgezählt und wegen der inklusiven Zählweise der Juden (das aktuelle Jahr zählt mit) ergibt das zusammen mit den angedrohten drei Jahren insgesamt sieben Jahre Hungersnot.

Es kann sich in 2Sam 24,13 aber auch um den Fehler eines frühen Kopisten handeln, denn es sollte wohl "drei Jahre … drei Monate … oder drei Tage …" heißen. Denn auch die Septuaginta und alte lateinische Übersetzungen haben hier "drei" statt "sieben" stehen.