Schauen wir uns das kurz an.

1Mo 11,30 Doch Sarai konnte keine Kinder bekommen.

Das war ihr Problem und blieb es auch. Ihrem Ehemann Abram hatte Gott befohlen, in ein anderes Land zu ziehen. Dort würde er ihn zum Stammvater eines großen Volkes machen. Abram glaubte und gehorchte. Das bedeutete sehr viel für ihn, denn er wurde von einem Stadtbewohner zu einem Nomaden. In Kanaan angekommen, ehrte er Gott mit einem Altar, und Gott wiederholte seine Zusage.

Als das Ehepaar dann schon einige Jahre in Kanaan lebte, sagte Gott es dem Abram noch einmal zu, dass er einen eigenen Sohn bekommen und unzählige Nachkommen haben würde. Abrams Reaktion: Er glaubte Gott, und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an (1Mo 15,6). 1

Aber sechs Jahre später war in dieser Hinsicht immer noch nichts geschehen. Da machte Sarai ihrem Mann einen Vorschlag. Es klang aber bitter, was sie über Gott sagte.

1Mo 16,1-3 Doch Sarai, Abrams Frau, blieb kinderlos. Sie hatte aber eine ägyptische Sklavin namens Hagar. Da sagte sie zu Abram: "Du siehst, dass Jahwe mich keine Kinder bekommen lässt. Wenn du dich jedoch mit meiner Sklavin einlässt, komme ich vielleicht durch sie zu einem Kind." Abram war einverstanden. Da gab Sarai ihm ihre ägyptische Sklavin zur Frau. Abram lebte damals schon zehn Jahre im Land Kanaan.

Damals war so etwas durchaus akzeptiert. Das war aber nicht das Problem, sondern dass Sarai damit meinte, Gott nachhelfen zu können. Und Abram ließ sich tatsächlich darauf ein. Bis dahin hatte Gott ihm ja nur allgemein gesagt, dass er einen Sohn zeugen würde, hatte aber nicht ausdrücklich von seiner Frau Sara gesprochen.

1Mo 16,4-6 Er schlief mit Hagar, und sie wurde schwanger. Als sie merkte, dass sie schwanger war, begann sie, auf ihre Herrin herabzusehen. Da sagte Sarai zu Abram: "Du bist Schuld an dem Unrecht, das ich ertragen muss! Ich habe dir meine Sklavin überlassen. Und kaum merkt sie, dass sie schwanger ist, verachtet sie mich. Jahwe richte zwischen dir und mir!" Abram erwiderte: "Hier ist deine Sklavin. Sie ist ja in deiner Gewalt. Mach mit ihr, was du willst!" Da behandelte Sarai sie so hart, dass sie ihr davonlief. NeÜ

Das klingt alles nicht sehr gut. Als es dann Probleme gab, schimpfte sie mit ihrem Mann. Und ihre schwangere Sklavin lief ihr weg. Unterwegs erfuhr diese allerdings, dass Gott nach ihr gesucht und ihr viele Nachkommen versprach. Da sagte sie zu Gott: Du bist ein Gott, der mich sieht. (Jahreslosung 2023) und kehrte dann zu ihrer Herrin zurück. Das Kind der Sklavin wurde geboren und wuchs heran.

Dreizehn Jahre später war Sara immer noch kinderlos. Ihr Ehemann hatte aber wieder eine Begegnung mit Gott, in der er ihm ihm und Sarai neue Namen zuwies: Abraham und Sara.

Kurz danach bekam Abraham plötzlich Besuch von drei Männern, einer davon war Jahwe.

1Mo 18,9-15 Dann fragten sie (die Männer) ihn: "Wo ist deine Frau Sara?" – "Da im Zelt", erwiderte er. Da sagte Jahwe: "Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben." Sara lauschte am Zelteingang, der sich gerade hinter ihm befand. Abraham und Sara waren damals schon alt, und Sara war lange über die Wechseljahre hinaus. Da lachte Sara innerlich und dachte: "Jetzt, wo ich verwelkt bin, soll ich noch Liebeslust haben? Und mein Eheherr ist ja auch alt." Da sagte Jahwe zu Abraham: "Warum hat Sara denn gelacht und denkt: 'Soll ich alte Frau wirklich noch Mutter werden können?' Sollte für Jahwe denn irgendetwas unmöglich sein? Nächstes Jahr, zur genannten Zeit, komme ich wieder, dann hat Sara einen Sohn." – "Ich habe doch nicht gelacht", leugnete Sara, denn sie hatte Angst bekommen. Aber er sagte: "Doch, du hast gelacht."

Jetzt hatte sie gemerkt, dass Gott auch sie sieht, und zwar bis in ihr Inneres hinein. Aber Gott hatte zunächst nur zu Ihrem Mann gesprochen, auch über sie, die Lauscherin. Die einzigen Worte, die Gott ihr direkt sagte, waren: Doch, du hast gelacht. Ob das dann in ihr noch zu einem Glauben an das führte, was Gott dem Abraham gerade versprochen hatte, wissen wir nicht. Aber Gott dachte trotzdem an sie.

1Mo 21,1-7 Jahwe dachte an Sara und tat an ihr, was er zugesagt hatte. Sie wurde schwanger und gebar Abraham in seinem Alter noch einen Sohn. Es war genau zu der Zeit, die Gott angegeben hatte. Abraham nannte den Sohn, den Sara ihm geboren hatte, Isaak. Als sein Sohn acht Tage alt geworden war, beschnitt Abraham ihn, wie Gott es angeordnet hatte. Hundert Jahre alt war er bei der Geburt Isaaks. Sara sagte: "Gott hat mir ein Lachen geschenkt! Jeder, der es hört, wird mit mir lachen. Wer hätte Abraham je zugeraunt: 'Sara wird ein Söhnchen stillen!' Und doch habe ich ihm in seinem Alter noch einen Sohn geboren!"

Sara hat natürlich immer geglaubt, dass es Gott gibt, ob man sie aber als Glaubens-Heldin bezeichnen sollte, bleibt fraglich. Positiv wird in allen Geschichten über sie deutlich, dass sie sich ihrem Mann unterordnete und ihm gehorchte, auch in ganz extremen Situationen (1Mo 12,11-15; 20,2). Deshalb wird sie auch im Neuen Testament ausdrücklich wegen ihres Gehorsams als Vorbild genannt (1Pt 3,5-6). Aber das Verhältnis zu ihrer Sklavin blieb wohl immer angespannt (1Mo 16,6; 21,9-11).

Was ist jetzt aber mit Hebräer 11,11?

Der griechische Text in diesem Vers gibt Fragen auf. Schon über die Jahrhunderte hinweg hat er für einige Unruhe im Textverständnis gesorgt. 2

Wenn man der Mehrheit der Textzeugen folgt, liest sich der Vers wörtlich und interlinear übersetzt so: Durch Glauben und/auch sie/selbst Sara unfruchtbar Kraft zum Ablegen von Sperma erhielt. Soll hier wirklich gemeint sein, dass eine Frau zeugungsfähig wurde? Im Griechischen gelten die unterstrichenen Worte als Bezeichnung für die männliche Funktion im Geschlechtsverkehr. 3 Eine Lösung dieses sprachlichen Problems, ergibt sich, wenn man die davorstehenden Worte autä Sarra steira als Dativ versteht, was sprachlich im Zusammenhang mit Unzial-Handschriften gut denkbar ist. Dann ist Sara hier nicht das Subjekt, die Handelnde, sondern vom Vers vorher Abraham. Es scheint, dass dies die bessere Lesart ist und ich kann den Vers so wiedergeben, wie es auch der Elberfelder und einigen anderen Übersetzungen entspricht.

Hebr 11,11: Aufgrund des Glaubens erhielt er zusammen mit Sara auch die Kraft, ein Kind zu zeugen, obwohl sie unfruchtbar war und beide schon zu alt dafür. Er war nämlich überzeugt, dass Gott sein Versprechen halten würde.

Das stimmt auch viel besser mit dem Kontext von Hebräer 11,11 überein. Drei Verse vorher geht es darum, wie Abraham seinen Glauben in verschiedenen Zusammenhängen bewies. In Vers 11 ist das sein Glaube zusammen mit Sara. Und der nachfolgende Vers 12 liefert dann die sehr eindeutige Zusammenfassung. Denn die Begründung, dass von einem (eindeutig Maskulinum) einzigen Mann eine unzählbare Nachkommenschaft entstand, passt überhaupt nicht als Folge des Glaubens der Sara allein.

Michael Eaton fasst die Problematik gut zusammen:4 „Aber wie man die Sache auch betrachtet, Sara war beteiligt. Obwohl sie anfangs skeptisch war (1Mo 18,12), kam sie zum Glauben, weil sie in der Lage war, Gottes Stimme zu hören als sie scharf getadelt wurde (siehe 1. Mose 18,13). Was offensichtlich ist in der Geschichte der Glaubenshelden, ist, dass es für sie schwierig war, ihre Familien zu demselben Glauben zu bringen, den sie hatten. Natürlich war der ‚Glaubensheld‘ manchmal eine Frau und an anderer Stelle werden Moses Mutter und Rahab lobend erwähnt.“