Er schadet dem Glauben, weil er eine falsche Sicherheit erzeugt und von gründlichen Lesen und Studium der Schrift ablenkt.

Dabei kann das Lesen einer bisher unbekannten Übersetzung durchaus gewinnbringend sein, gerade wenn man sie mit der bisherigen Übersetzung vergleicht und vielleicht noch eine dritte und vierte hinzunimmt. Man wird dabei auch vorsichtiger.

Trotzdem erscheint es für einige Christen sehr leicht, die Motive bestimmter Übersetzer und die Ergebnisse ihrer Arbeit zu verurteilen. Dabei sollte niemand Urteile aussprechen, die nur aufgrund oberflächlicher Kriterien getroffen wurden und ihren Grund vielleicht nur in der Breite der Übersetzungsmöglichkeiten haben, im gewählten Grundtext [1] oder in der Art der Übersetzung.

Niemand ist tabula rasa, jeder hat bestimmte Vorverständnisse oder sogar Vorurteile, die er unwillkürlich in seine Beurteilung einfließen lässt. Von daher ist Zurückhaltung angebracht und man darf eine Bibelübersetzung nur dann verurteilen, wenn man die Probleme des Grundtextes kennt, wenn man von den Grundsprachen her beurteilen kann, ob ein Wort richtig übersetzt ist und wenn man beweisen kann, dass Bibelkritik oder sektiererische Lehren in die Übersetzung oder die Anmerkungen eingetragen sind.

Leider gibt es im Zusammenhang mit Bibelübersetzungen eine ganze Anzahl falscher Feindbilder. Und manche Gläubige haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese „Feinde“ zu bekämpfen und andere vor deren Übersetzungen zu warnen. Bei einigen von diesen Kämpfern trifft leider 1. Timotheus 1,7 zu, was ihren Eifer aber nicht mindert.

Sie bilden sich ein, Lehrer des Gesetzes zu sein, und verstehen überhaupt nichts von dem, was sie sagen und was sie so sicher behaupten.

Dabei vergessen sie oft, was der Herr ihnen in ihrer favorisierten Übersetzung sagt, dass es viel mehr darauf ankommt, persönlich das Wort Gottes intensiv zu lesen und ihm zu gehorchen – und zwar auch im Umgang mit Andersdenkenden –, als nur die „richtige“ Übersetzung zu besitzen.

Selbstverständlich kann jede Übersetzung verbessert werden – und dass sollte die eigentliche Aufgabe der Kritiker von Bibelübersetzungen sein. Nicht pauschal verurteilen, sondern sagen, wie einzelne Passagen noch besser übersetzt werden könnten.

Louis Gaussen schrieb in seinem Buch über Theopneustie:

„Wenn irgendein Freund aus Ostindien zurückkehrte, wo dein Vater, weit weg von dir verstorben wäre. Und er brächte dir den letzten Brief mit, den dein Vater selbst geschrieben oder noch diktiert hätte. Er wäre aber Wort für Wort auf Bengalisch geschrieben. Wäre es dir deswegen völlig unwichtig, dass der Brief von ihm selbst stammte, nur weil du die bengalische Sprache nicht beherrscht und ihn nur in einer Übersetzung lesen könntest? Du wüsstest doch, dass du so viele verschiedene Übersetzungen anfertigen lassen könntest bis du keinen Zweifel mehr daran hättest, alles verstanden zu haben, sogar so als stammtest du selbst aus Ostindien. Würdest du mir nicht zustimmen, dass mit jeder neuen Übersetzung deine Unsicherheit über das Geschriebene geringer werden könnte, sogar bis sie völlig verschwände oder doch wenigstens so wie in der Mathematik eine Funktion, die gegen Null strebt?“ [2]