VorwortBeachten Sie beim Lesen des ersten Textes,
wie häufig Kanaan erwähnt wird, ein Enkel (!) Noahs!

1. Mose 9,18-29:    Zusammen mit Noah hatten auch Sem, Ham und Jafet die Arche verlassen. Ham war übrigens der Stammvater von Kanaan. 19 Von diesen drei Söhnen Noahs stammen alle Völker der Erde ab. 20 Noah fing an, Felder zu bestellen und legte auch einen Weinberg an. 21 Eines Tages trank er so viel von seinem Wein, dass er betrunken wurde und entblößt in seinem Zelt lag. 22 Ham, der Stammvater Kanaans, sah ihn in seiner Nacktheit daliegen und erzählte es seinen Brüdern draußen. 23 Aber Sem und Jafet nahmen einen Mantel, hielten ihn zwischen ihre Schultern und gingen rückwärts ins Zelt. Das Gesicht abgewandt deckten sie ihren Vater zu, denn sie wollten seine Nacktheit nicht sehen. 24 Als Noah seinen Rausch ausgeschlafen hatte, erfuhr er von dem beschämenden Verhalten seines jüngsten Sohnes 25 und sagte ‹über einen von dessen Nachkommen›:

"Verflucht sei Kanaan! / Der niedrigste Sklave wird er seinen Brüdern sein!
 26 Gepriesen sei Jahwe, Sems Gott! / Doch Kanaan sei ein Sklave von ihm!
 27 Dem Jafet gebe Gott weiten Raum / und er wohne in den Zelten von Sem! / Doch Kanaan sei ein Sklave von ihm."

 28 Nach der Flut lebte Noah noch 350 Jahre. 29 Er starb im Alter von insgesamt 950 Jahren.

1. Mose 10,15-1915 Kanaan war der Vater von Sidon und Het. Sidon war sein Erstgeborener. 16 Außerdem stammen von ihm die Jebusiter, die Amoriter und die Girgaschiter ab, 17 die Hiwiter, Arkiter, Siniter, 18 Arwaditer, Zemariter und Hamatiter. Später haben sich die Sippen der Kanaaniter weiter ausgebreitet, 19 sodass ihr Gebiet von Sidon bis nach Gerar und Gaza reichte und ostwärts bis nach Sodom und Gomorra, Adma, Zebojim und Lescha.  20 Die Nachkommen Hams wuchsen zu Völkern mit eigenen Sprachen heran und lebten in ihren Gebieten in Sippen zusammen.

Wenn Sie die fünf Verse in Kapitel 10 gelesen haben, sind Ihnen bestimmt einige Namen von Völkerschaften und Städten bekannt vorgekommen. Richtig, sie beziehen sich alle auf das Land Kanaan, das später von Abraham durchzogen und noch später von Israel erobert oder beherrscht wurde. Einige Städte stehen sprichwörtlich für die Moral der Menschen, die dort lebten.

Die gesamte heutige Erdbevölkerung stammt von den drei Söhnen Noahs ab, die mit ihren Eltern und Ihren Frauen die Arche verließen. 1. Mose 9,18 charakterisiert einen Vater durch den Namen seines späteren Sohnes. Das ist außergewöhnlich. Den Grund dafür erklärt die nachfolgende Geschichte, die wir oben gelesen haben.

Noahs Familie

Der hebräische Text von Vers 20 deutet an, dass Noah der erste gewesen sein könnte, der einen Weinberg anlegte,[1] die Trauben auspresste und den Saft aufbewahrte. Dieser fing natürlich zu gären an und es entstand Alkohol. Die zunächst angenehme Wirkung dieses Getränks verriet Noah noch nichts über die Auswirkung, wenn man zu viel davon trank. Das wurde erst am nächsten Tag offenbar, als Ham, einer seiner Söhne, zufällig ins Zelt schaute und seinen Vater entblößt daliegen sah.[2]

Anstatt aber die Scham seines Vaters sofort zu bedecken, beschrieb Ham seinen Brüdern draußen, was er gesehen hatte. Die reagierten aber ganz anders und bedeckten die Blöße des Vaters mit einem Mantel ohne ihn dabei anzusehen. Dieser fremde Mantel wird Noah veranlasst haben, sich zu erkundigen, was geschehen war.

Als Noah seinen Rausch ausgeschlafen hatte, erfuhr er von dem beschämenden Verhalten seines jüngsten Sohnes und sagte ‹über einen von dessen Nachkommen›: Verflucht sei Kanaan! / Der niedrigste Sklave wird er seinen Brüdern sein!

Es wird viel darüber gerätselt, warum Noah das Fluchwort nicht über Ham aussprach, sondern über einen von dessen Söhnen. Möglicherweise würde Ham von seinem Sohn Kanaan ebenso entwürdigt werden, wie er seinen Vater Noah entwürdigt hatte.

In der Weissagung über Sem und Jafet wird Kanaan noch zweimal genannt – als Sklave. Damit ist aber keineswegs gemeint, dass nach Gottes Willen die Schwarzafrikaner Sklaven sein sollten und andere das Recht hätten, sie auszubeuten. Denn die Weissagung betrifft ja nicht alle Nachkommen Hams, sondern nur die Nachkommen seines Sohnes Kanaan, also die, die später in dem Gebiet lebten, das von Israel erobert wurde. Und das waren nach allem, was wir wissen, hellhäutige Menschen.

Die Weissagung über Sem preist Jahwe, den Gott Sems. Seine Nachkommen werden als einzige die Kenntnis Gottes besitzen. Das würde ihr Segen sein, der sich dann in Abraham und seinen Nachkommen verwirklichte.

Die Weissagung über Jafet kann so verstanden werden, dass Gott die Nachkommen Jafets stark vermehren oder ihnen weiten Raum geben wird. Dass sie in den Zelten Sems wohnen werden deutet vielleicht darauf hin, dass Sems Gott später auch ihr Gott werden wird.

Flaschenhalsereignis und Menschenrassen

Durch die Sintflut wurden alle Arten der Vögel, der Land- und Kriechtiere und alle Menschen auf der Erde vernichtet. Es blieben nur die wenigen Individuen übrig, die in der Arche überlebten. Nach der Flut vermehrten sich alle wieder und füllten die Erde. Solch eine extreme Reduktion einer großen Population[3] durch eine Katastrophe nennt man ein Flaschenhalsereignis. Aus wenigen Individuen entsteht praktisch wieder eine neue Population.

Auch die Evolutionsbiologie rechnet mit solchen Flaschenhalsereignissen. Die Frage ist immer nur wie es weitergeht. Denn in der Populationsgenetik wurde ursprünglich angenommen, dass es durch den Flaschenhals zu einer starken genetischen Verarmung der Art kommt. Inzwischen ist aber bekannt, dass nur wenig von der zuvor vorhandenen Variabilität verlorengeht, wenn der Flaschenhals nur eine Generation lang dauert.

Bleiben wir bei der Familie Noahs, also bei den acht Menschen. Sie waren aus der Ursprungspopulation übriggeblieben und sind nun die Gründerindividuen für eine neue Population.

Jetzt entsteht aber die Frage, wie es sein kann, dass aus einer Population mehrere neue Populationen entstehen, in denen sich alle Individuen dauerhaft von der ursprünglichen unterscheiden z.B. durch die Hautfarbe (Jer 13,23). Hier ist vieles noch ungeklärt, aber dass es Menschenrassen gibt, ist unbestritten.

Ellka Five Races gemeinfreiIn diesem Zusammenhang macht der Begriff „Rasse“ Probleme. Die Verwendung des Wortes ist seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen. Gebräuchlicher wurde es im 15. Jahrhundert. Inzwischen ist das Wort jedoch in Misskredit geraten. Tatsächlich hatte „Rasse“ seit jeher eine wertende Komponente. Zu gern stellte man die eigene Rasse über eine andere. In der gesellschaftlichen Diskussion heute spielen die abgeleiteten Begriffe „Rassismus“ und „Rassist“ eine große Rolle. Damit werden allerdings Menschen der eigenen Hautfarbe stigmatisiert und somit abwertet. Niemals sollte ein Mensch sich über andere erheben.  

Deshalb bleibt über allem die biblische Wahrheit: Der Mensch ist Mensch von Anfang an und erhielt seine Würde von Gott, der ihn geschaffen hat.

In diesem Zusammenhang formuliert unser Grundgesetz in Artikel 1 Absatz 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und in  Artikel 3 Absatz 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Nun ist die Unterscheidung von Menschen aufgrund äußerer Merkmale wie Hautfarbe, Kraushaar, Lidfalte, Augenform usw. sehr schwierig. Außerdem sind solche Rassensystematiken keineswegs widerspruchsfrei. Die Anzahl der unterschiedenen Rassen reicht dabei von 3 bis über 200. Hier hilft uns auch die Genetik nicht weiter, denn die genetischen Unterschiede zwischen zwei beliebigen Menschen auf der ganzen Welt sind gering, egal zu welcher Rasse sie gehören. Und auf diesem Weg findet man auch keine klaren Grenzen.

Trotzdem bleibt die Frage, wie aus Noahs Familie die verschiedenen Menschenrassen entstehen konnten, deren typische Merkmale dann immer weitervererbt wurden. Wie konnten zum Beispiel die verschiedenen Hautfarben der Menschen entstehen und dauerhaft in einer neuen Population erhalten bleiben. Dabei ist bemerkenswert, dass Vertreter der Evolutionslehre genau die gleichen Probleme haben, um die Entstehung von Rassen zu erklären. Denn sie nehmen auch nicht an, dass sich die verschiedenen Menschengruppen aus verschiedenen Tiergruppen entwickelt hätten, sondern dass alle Menschenrassen letztlich denselben Ursprung haben.

Flaschenhalsereignis

Aus biblischer Sicht können wir davon ausgehen, dass bei der Schöpfung eine große Vielfalt angelegt war. Also in der ursprünglichen menschlichen Population waren bereits die genetischen Anlagen für verschiedene Hautfarben, Augenfarben oder andere Unterschiede vorhanden. Durch den kurzen Flaschenhals der Sintflut ging nicht viel davon verloren. So kann man die Entstehung der vielen Menschentypen und Hautfarben wenigstens grundsätzlich verstehen.

Die drei Beispiele von Menschengruppen in der Grafik können nicht direkt den einzelnen Söhnen Noahs zugeordnet werden. Außerdem lässt die Bibel vermuten, dass es nach der Sintflut (dem Flaschenhalsereignis) für mindestens 100 Jahre nur eine Kulturgruppe und Sprache gab. Das änderte sich erst mit der Sprachverwirrung nach dem Turmbau von Babel. Jetzt konnten die verschiedenen Sprachgruppen nicht mehr miteinander kommunizieren und einander vertrauen. Sie entfernten sich voneinander und besiedelten verschiedene Weltgegenden. Die in der Grafik eingefügten Zeichnungen fossiler menschlicher Schädel können aus biblischer Sicht zu Gruppen von Altrassen gehört haben, die aber wie die Neandertaler ausgestorben sind.

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[1] Das Gebiet des heutigen Armenien und Georgien, also die Gegend, in der die Arche landete, gilt bis heute als Ursprungsland des Weins (https://de.wikipedia.org/wiki/Wein).

[2] Zur Nacktheit siehe auch S. 24 und 34f. (Kapitel 16 und 21)

[3] Population im biologischen Sinn wird definiert als Gesamtzahl der Individuen einer bestimmten Art auf einer bestimmten Fläche.

Bildquellen
Fünf Rassen: G. Ellka - Dresden : C.C. Meinhold und Söhne [1], Gemeinfrei. 
Grafik:  R. Junker, Stammt der Mensch von Adam ab?

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