Von dem deutschen Lyriker Emanuel Geibel stammt der berühmte Satz: „Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub‘ ins Fenster. Wenn die Götter ihr verjagt, kommen die Gespenster.“

Was hier beschrieben werden soll, sind allerdings keine Gespenster, sondern Bruchstücke des Glaubens an den lebendigen Gott und ihre Ursachen. Was bleibt übrig vom biblischen Glauben, wenn renommierte Doktoren der Theologie ihren Glauben interessierten Laien weitergeben?  Was ist ihre Basis und welche Argumente bringen sie vor? Im vorliegenden Fall schreiben die Autoren einigermaßen verständlich und versuchen sich an humorvollen Formulierungen – garniert mit ein bisschen Arroganz. Sie wollen jedenfalls theologische Laien erreichen und diese von den Resten ihres eigenen Glaubens überzeugen.

Zwei etablierte theologische Verlagshäuser haben sich im Jahr 2020 zu Veröffentlichungen entschlossen, um theologisch Interessierten „Die Wahrheit der Bibel“ und einen großen „Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte“ zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich immerhin um den theologischen Verlag Zürich (TVZ) und das Gütersloher Verlagshaus. Beide Bücher werden unten kurz besprochen. Hier nur die wesentlichen theologischen Ausgangspositionen und die daraus folgenden Ergebnisse der drei beteiligten Autoren.[1]

Bibelwissenschaft und „methodischer Atheismus“

Die Autoren verstehen und betreiben Bibelwissenschaft als eine mehr oder weniger gott-lose Wissenschaft, die ein übernatürliches Wirken Gottes in der Welt und bei der Entstehung der Bibel nahezu vollständig ausschließt. In der Wissenschaftstheorie nennt man das einen „methodischen Atheismus“, das heißt, ein übernatürliches Geschehen darf in den Erklärungen der Wissenschaftler nicht vorkommen. Wenn solche Theologen die Entstehung des jüdisch-christlichen Glaubens und die Entstehung der Bibel untersuchen, können sie durchaus vom Glauben der daran beteiligten Menschen sprechen. Sie müssen aber alles als subjektive Erfahrungen und Deutungen dieser Menschen verstehen. Erklärungen aus der Sicht heutiger Weltanschauung ohne Gott stehen immer über den Texten der Bibel. Das hat gravierende Folgen.

Die logischen Folgen

  • Sehr viele biblische Personen können nicht wirklich gelebt haben. Sie sind nur literarische Figuren (Adam und Eva, Noah, Hiob usw.)
  • Prophetie im Sinn echter Voraussagen und deren Erfüllung kann es nicht gegeben haben. Das können nur Eintragungen späterer Autoren sein (vaticinium ex eventu d.h. Weissagung vom Ereignis her). So legt zum Beispiel der Evangelist (wer immer das auch war) Jesus Worte als Vorhersage für seinen Tod in den Mund, nachdem sich die Dinge so entwickelt haben.
  • So sind auch die Endzeitreden des Herrn keinesfalls Vorhersagen über den letzten Akt der Weltgeschichte, sondern apokalyptische Bildrede. Begründung: Es gab damals viele ähnlich strukturierte Geschichten mit fantastischen und bizarren Bildern.
  • Wo antike literarische Formen und Gattungen in der Bibel vorkommen, kann kaum ein wirkliches Geschehen gemeint sein. So habe das von Josua gepriesene Sonnenwunder nie stattgefunden. Der Hymnus soll nur Gottes Größe preisen. Die meisten in den Geschichtsbüchern des Alten Testaments beschriebenen Episoden gehören zu der Art Heldensagen. Selbst Lehrerzählungen (Ruth, Ester, Hiob, Jona) lehnen sich nur zum Teil oder gar nicht an historische Ereignisse an.
  • Wundergeschichten im Neuen Testament wurden von der späteren Gemeinde erfunden, um Jesus zu ehren (Jungfrauengeburt, Heilungswunder, Auferstehung). Die Himmelfahrt des Herrn ist dann eben eine von Lukas erfundene „Entrückungsgeschichte“. Andere seien Überbietungswunder (Auferweckung des Jünglings von Nain, Speisung der 5000), die darstellen wollen, dass Jesus größer ist als die Propheten des Alten Testaments.
  • Selbst normale, geschichtlich durchaus verständliche Vorgänge, werden als Legenden eingestuft, zum Beispiel der Besuch der Magier in Bethlehem und die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten. Der Evangelist, der sie erfunden hat, lässt sich nicht von historischen, sondern von katechetischen Interessen leiten. Was bleibt, ist eine theologische Aussage: Jesus ist der neue Mose, er ist der Retter Israels. Einzige Begründung: Es sind Parallelen zu den alttestamentlichen Episoden sichtbar.
  • Die Einzigartigkeit der Heilige Schrift wird bis auf einzelne willkürlich herausgegriffene Stücke völlig verleugnet. Die Bibel wird eingebettet in die damalige heidnisch-religiöse Literatur und von daher erklärt. Diese Theologen suggerieren ihren Lesern, dass zum Beispiel apokalyptische Texte nur dann angemessen verstanden werden können, wenn man sie nach ihren Vorgaben deutet.
  • Außerbiblische historische Quellen werden fast immer als wichtiger und bedeutsamer eingeschätzt als die biblischen Texte.  
  • Fast allen biblischen Autoren wird die Verfasserschaft abgesprochen (Pseudepigraphie). Spätere Autoren hätten die Schriften unter bekannten Namen verfasst, „um diese zu ehren“.
  • Es gibt keine Einmaligkeiten in der Geschichte. Was zum Beispiel die Episode von der Erwählung Abrahams betrifft, dient diese Geschichte nur dazu, die Identität des Volkes Israel historisch und theologisch zu begründen. Später wird der Text als verschlüsselte Kritik an der imperialen Politik zur Zeit des davidisch-salomonischen Reichs verstanden.

Der unlogische Glaube

Möglicherweise glauben Theologen, die so arbeiten, trotzdem noch irgendwie an einen Gott. Sie gehören meistens sogar einer Kirche an. Aber ihre Theologie entfaltet einen Nebel, der den Glauben und damit auch das Denken erstickt. Sie können dabei durchaus von der Bibel als Gottes Wort reden, meinen damit aber nur die nach ihrer Sicht übrig gebliebenen „Heilswahrheiten“, die Gott den Menschen vermitteln wollte. Welche das aber genau sein sollen, erklärt fast jeder Theologe anders.

Sie predigen nämlich ein Weltbild, das von Menschen stammt, die Gott aus ihrem Denken ausschließen. Aber sie glauben, dass ihr Gott durch von Menschen erfundene Geschichten redet. Sie sind überzeugt, dass die „Autor*innen“ gläubige Menschen waren, die für andere gläubige Menschen Texte geschrieben haben. So hätten sie auch die Jungfrauengeburt erfunden, um ihre Heldengeschichte über Jesus interessant zu machen.

Wer aber nur irgendwie an Gott glaubt, verändert fast alles, was die Bibel von Gott und Jesus Christus sagt oder deutet es um. Gott ist dann nicht mehr der Ewige und Allmächtige, der Schöpfer von Himmel und Erde, der die ersten beiden Menschen geschaffen hat. Dann gab es natürlich auch keinen Sündenfall und keine Erlösung. Dann war Jesus kein Erlöser der Menschen, dann war sein blutiger Tod kein Sühnopfer und dann wird kein Mensch vor dem Zorn Gottes gerettet. Jesus war dann nur ein guter Mensch, der mit seiner Mission gescheitert ist. Dann ist aber auch nicht zu glauben, was er über Gott als seinem Vater gesagt hat, und dass er vom Himmel gekommen war, denn das hätten ihm die Evangelisten nur in den Mund gelegt. Dieser Jesus hätte sich auch nicht durch wunderbare Taten als Gottes Sohn legitimiert. Und schließlich wird er auch nicht wiederkommen und niemals Tote und Lebende richten.

Wenn Theologen selbst entscheiden, was sie aus der Bibel glauben, dann können sie zwar noch fromm reden, sie können biblische Begriffe wie Sünde, Erlösung, Auferstehung und Wort Gottes, verwenden, deuten aber ihre Inhalte um. Letztlich machen sie uns einen Gott weis, der nichts ist, nichts kann und nichts tut. Der ist dann nur noch eine gläubige Einbildung, eine psychologische Krücke, ein Heilsversprechen, das nie erfüllt wird.

Paganini HeiligeNacht

Imbach Wahrheit der Bibel

 

 

 

 

 

 

[1]Alle drei haben katholische Theologie studiert: Josef Imbach und das Ehepaar Simone und Claudia Paganini.

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