Ein neues Buch über die Zehn Gebote und ihre Relevanz für Christen könnte Furore machen. Es beruht auf genauen altsprachlichen Beobachtungen und ist doch sehr leicht, fast locker zu lesen. Hier wird zum Beispiel  allein aus dem Alten Testament klar, wie es sich mit dem Sabbat und den Christen verhält.

Wer den Sabbat hielt, machte damit deutlich, dass er den ganzen Bund halten wollte. Umgekehrt war es nicht denkbar, den Bund ohne den Sabbat zu halten. Das heißt also: Den Sabbat zu halten und unter dem Sinaibund zu stehen, sind gleichbedeutend. Deshalb wäre es auch merkwürdig, wenn ein Mensch außerhalb von Israel den Sabbat halten würde, weil er damit beansprucht, Teil dieses Bundes zu sein - ähnlich wie es heute merkwürdig wäre, wenn jemand absichtlich exakt denselben Ehering wie ich und meine Frau tragen würde, um auszudrücken, dass er Teil dieser Ehebeziehung ist. Das wäre merkwürdig. Bei der Sonderrolle des Sabbats in den zehn Geboten stößt man also schon auf den wesentlichen Grund, weshalb Heidenchristen in neutestamentlicher Zeit den Sabbat nicht halten mussten: Sie standen ganz einfach nicht unter dem Sinaibund! Dieses und nur dieses Gebot hat also in den Zehn Geboten eine Funktion, die so eng an das Volk Israel und seine Stellung im Sinaibund geknüpft ist, dass es nicht nur allgemeine moralische Grundsätze Gottes vermittelt, die allgemeingültig sind, sondern nur von denen eingehalten werden muss und soll, die unter dem Sinaibund stehen. Das führt aber zu der schon angesprochenen Frage zurück: Weshalb ist gerade der Sabbat von so großem symbolischen Wert, dass er das Bundeszeichen ist? Dazu lohnt sich ein Blick darauf, was der Sabbat für Israel ist.

Fundort: Benjamin Lange. Die Bibel verstehen – Die Zehn Gebote. Dillenburg: CV 2021 S. 96.
Zum Autor siehe unter Bibel und Wissenschaft.